16. Juli 2008 | Von

Unterwegs in Darmstadts Unterwelt

 
Katakomben Darmstadt
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Endlich wieder Tageslicht: Nach der Tour durch die Unterwelt Darmstadts ein wirklich schöner Anblick. Foto: simo
Bumm“. Dann eine kurze Pause. „Bumm“. Da ist es wieder. Erneut kurze Stille. Und dann schon wieder: „Bumm!“ In beunruhigend regelmäßigen Abständen dringt ein dumpfes Geräusch durch die Katakombengänge und versetzt verunsicherte Besucher in Angst und Schrecken.

Nicht genug, dass es hier unten ohne Taschenlampe stockfinster ist und die Gänge so eng und niedrig sind, dass der mit einem Helm bestückte Kopf immer wieder gegen die Decke stößt. Eigentlich möchte man gerade irgendwo ganz anders sein und dann kommt auch noch irgendwo so ein komisches Geräusch her.

 
Katakomben  Darmstadt
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Stopp! Hier geht`s nicht weiter. Ein Großteil der Keller in den Katakomben ist noch immer verschüttet. Foto: simo.
„Vielleicht ein hungriges Monster, das Beute gerochen hat und sich nun durch die Gänge quetscht, um seinen Hunger zu stillen? Von wegen Führung! Ich sitze hier in der Falle. Na prima“, denkt sich Klein-Simon vom Kinderecho und lächelt leicht gezwungen.

Michael Laue ist eine der treibenden Federn, die heute ehrenamtlich das unterirdische Gelände erforschen, das seit 1995 unter Denkmalschutz steht. „Ein bisschen Indiana Jones spielen“, erklärt er seinen Drang, unter Bedingungen zu arbeiten, „die schlimmer sind als Steinbruch-Malochen“.

Denn während die schon freien Gänge und Keller, die bei den Führungen gezeigt werden, sicher und nicht einsturzgefährdet sind, sieht das mit den neu entdeckten Kellern ganz anders aus. Das Ausgraben sei Knochenarbeit, vergleichbar mit den Bedingungen unter Tage. Einer vom Grabungsteam sei sogar schon einmal verschüttet worden.

Deswegen müssen interessierte Helfer mindestens volljährig sein, dürfen keine Angst vor Ratten und Schimmel haben, müssen krabbeln, Dreck und Enge vertragen können. Letzteres gilt auch für Besucher. Die sollten körperlich fit sein und Platzangst und Co. haben hier unten auch nichts verloren.

 
Katakomben  Darmstadt
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Ein bißchen wie Indiana Jones fühlt sich Michael Laue, wenn er in den Katakomben unterwegs ist. Foto:simo.
Aber so schlimm ist es dann auch nicht. Einige Gänge sind zwar ziemlich eng, manche so eng, dass ein Vorwärtskommen nur noch auf allen Vieren oder durch Robben möglich ist. Immer wieder müssen auch Pfützen und andere Hindernisse umschifft werden.

Doch Michael Laue macht nur das, was seine Gäste möchten. Sie können die harte Drei-Stunden-Variante haben oder eine Führung, die nicht so sehr an die Substanz geht. Bei Gruppen mit Kindern und Jugendlichen sind zudem mehrere Führer im Einsatz.

Immer wieder kann der Katakomben-Besucher auch gemütlich stehen. Manche Lüftungsschächte reichen gut 10 Meter nach oben. Nicht viel niedriger, dafür umso majestätischer ist der Eis-Dom, der an die Kuppel einer Kathedrale erinnert. Hier wurde früher Eis gelagert, um das Bier auf eine erfrischend-kühle Temperatur zu bringen. Erfrischend, wenn auch nicht erstrebenswert, ist ein Bad im „unterirdischen See“, wie Michael Laue jenen Keller nennt, der mit Wasser vollgelaufen ist.

Nach einer Tour durch die Katakomben hat der Besucher nicht nur ein aufregendes und noch nicht ganz erforschtes Kapitel Darmstadts entdeckt, er hat es auch verdient, sich wie ein kleiner Held zu fühlen. Schließlich ist diese Erfahrung nicht alltäglich und die unterirdische Reise kostet immer wieder Überwindung.

 



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Viel Spaß beim Durchforsten der neuen Ausgabe und dem Entdecken noch vieler anderer Themen wünscht euch das Kinder-Echo-Team!

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