Einen Elefanten von innen sehen
Der Strauß hat ja nur zwei Zehen“, staunt Lilli (8), als sie vor dem Plastinat des afrikanischen Tieres steht. Auf dem Schild wird erklärt, dass sich seine Füße damit an die hohen Laufgeschwindigkeiten angepasst haben, denn alle anderen Vögel haben drei Zehen. Tom (12) steht derweil staunend vor dem Braunbär, der stattliche 2,50 Meter groß ist. Gut sind die kräftigen Muskeln des Tieres zu erkennen. Lediglich am Kopf ist noch etwas Fell zu sehen, am Rest des Körpers sieht man Muskeln, Sehnen und Knochen.
In der Ausstellung „Körperwelten der Tiere“ im Senckenbergmuseum im Frankfurt gibt es derzeit zahlreiche plastinierte Tiere zu sehen. Tiere, die nicht so aussehen, wie ihr sie sonst aus dem Zoo oder Museum kennt, sondern man sieht vor allem das, was sie im Körperinneren haben: Muskeln, Organe wie die Lunge, den Magen und die einzelnen Blutgefäße.
„Das ist bestimmt eklig“, hatte Tom im Vorfeld gesagt. Tote Tiere anschauen, das wollte er überhaupt nicht. Dann schlendert er interessiert von Exponat zu Exponat. Die Tiere anzuschauen ist nicht eklig, aber gewöhnungsbedürftig. Sie sehen aus, als ob sie aus Plastik wären, und das sind sie im Prinzip auch.
Gunther von Hagens, so heißt der Mann, der die Idee für diese Ausstellung hatte, hat ein besonderes Verfahren entwickelt, das Innere von toten Tieren haltbar zu machen. Die Tiere sind nicht ausgestopft, wie ihr es vielleicht schon aus dem Museum kennt, sondern sie sind plastiniert: Ihre Haut fehlt an den meisten Stellen, und ihre Muskeln, Organe und Blutgefäße sind mit einer Art Plastik überzogen. Plastinationsverfahren heißt diese Art der Konservierung toter Tiere. Die Tiere lebten vorher in Zoos oder Tierparks und sind dort gestorben, weil sie alt oder krank waren.
Am meisten Arbeit hatten Gunther von Hagens und sein Team mit der asiatischen Elefantenkuh Samba. 3,50 Meter ist sie hoch und sechs Meter lang. Mehr als zweieinhalb Jahre brauchten die Experten, um das Tier zu plastinieren. Jetzt könnt ihr ihre Muskelstränge, die 40 000 Muskeln ihres Rüssels und ihr Gehirn sehen. Eine ähnliche Herausforderung war die Plastination des Giraffen-Bullen, der in der Ausstellung zu sehen ist. Er wiegt 800 Kilogramm und ist 5,10 Meter hoch. Verblüffend zu sehen, dass er in dem langen Hals nur sieben Halswirbel hat, wie jedes andere Säugetier auch, die nur bei ihm deutlich länger sind, nämlich bis zu 40 Zentimeter. Bei seiner Arbeit stellte von Hagens dann fest, dass das Gehirn der Giraffe nur sehr klein ist, anders als in manchen Fachbüchern beschrieben.Die Ausstellung gibt einen Überblick darüber, wie es im Inneren aussieht, wie ein Herz aussieht oder ein Magen. In einer Vitrine liegt neben einem menschlichen Herz, das etwa 300 Gramm wiegt, ein deutlich größeres Rinderherz, das etwas 2,5 Kilogramm wiegt. Das Herz der Giraffe wiegt sogar zehn Kilogramm. Das Herz schlägt umso schneller, je kleiner ein Tier ist. Das Herz der Spitzmaus schlägt beispielsweise fast 1000 Mal pro Minute, das Herz eines Elefanten dagegen nur ungefähr 30 Mal.
Die Ausstellung ist noch bis zum 15. März im Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt zu sehen. Die Öffnungszeiten sind montags, dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 17 Uhr, mittwochs 9 bis 20 Uhr, samstags, sonntags und feiertags 9 bis 18 Uhr. Kinder zahlen sieben Euro Eintritt, Erwachsene neun Euro.
Die Karte zeigt dir, wo das Senckenbergmuseum in Frankfurt liegt. Du kannst mit den Pfeilen links auf der Karte den Ausschnitt verschieben oder mit dem Plus (+)- und Minuszeichen (-) den Bereich vergrößern beziehungsweise verkleinern. Viel Spaß beim Erkunden!


