16. Dezember 2009 | Von Andrea Stütz

Was macht eigentlich ein Wachszieher?

Kerzen lassen sich auf verschiedene Weisen herstellen

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Aus mehr als 500 Meter Docht entstehen hier an der Zugmaschine Kerzen.Alle Fotos: Andrea Stütz

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier... und eigentlich sind es noch viel mehr! Denn überall erleuchtet in der Adventszeit das Licht von Kerzen Zimmer, Weihnachtsmärkte und Cafés. Nicht zuletzt deshalb ist die Advents- und Weihnachtszeit ja auch so schön.

Und auch über das restliche Jahr hinweg zünden Menschen gerne Kerzen an, um sich in eine gemütliche oder romantische Stimmung zu versetzen, um ihren Tee auf dem Stövchen warm zu halten oder um einen Raum mit Duftaromen zu füllen. ,,Der Verbrauch von Kerzen nimmt sogar zu", sagt Jürgen Jaksch, der Geschäftsführer der Firma Richard Wenzel in Aschaffenburg ist.

Das Unternehmen gehört zu den größten Kerzenherstellern in Deutschland, deshalb kennt sich der 47-Jährige so gut mit dem Thema aus. Außerdem besuchte er schon als Junge oft die Firma, die sein Ur-Großvater Adrian Wenzel 1899 gegründet hatte und die heute noch der Familie gehört.

,,Jeder in Deutschland verbraucht im Durchschnitt 1,4 Kilogramm Kerzenwachs im Jahr. Das ist so viel wie 100 Teelichte pro Kopf", erzählt Jaksch weiter. Viele von euch wissen aber: Es gibt nicht nur die praktischen Minikerzen, sondern auch duftende, geruchslose, runde, dünne, lange, kurze, dicke, eckige oder in Figurenform gegossene Kerzen in allen erdenklichen Farben... Wisst ihr eigentlich, wie diese ganzen Kerzen hergestellt werden? Das Kinder-Echo hat es sich von Jürgen Jaksch erklären lassen.

In der Kerzenherstellung beginnt alles mit einer großen, sich drehenden Metalltrommel, der Paraffinpulvermaschine. Aus kleinen Düsen wird flüssiges Wachs gesprüht, das auf die Trommel regnet und sich als hauchfeiner, weißer, gesprenkelter Film auf die Metallrolle legt und schnell abkühlt. Auf der anderen Seite werden die hart gewordenen Wachströpfchen abgeschabt und fallen als Pulver auf ein Laufband. ,,Das ist der Rohstoff, aus dem die Wachszieher Kerzen herstellen", erklärt der Experte.
 
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Mit jeder Runde durch das Wachsbad wird der Docht dicker (von links nach rechts).

Kerzen lassen sich auf verschiedene Weisen herstellen: Traditionell werden sie gezogen - daher auch der Name Wachs- oder Kerzen-,,zieher" -, alternativ werden sie gegossen oder gepresst.

Bei einem der ältesten Verfahren zur Herstellung von Kerzen, dem Ziehen, benötigt man eine Zugmaschine, die der Wachszieher bedient. Diese hat zwei große Zugtrommeln im Abstand von einigen Metern mit je gut eineinhalb Meter Durchmesser. Auf diese spannt der Wachszieher einen mehr als 500 Meter langen Baumwollstrang, den Docht, auf: Das heißt, er wird über die Trommeln hin und her gewickelt. Drehen diese sich, wird der Dochtstrang auf der Unterseite immer wieder durch die Wanne gezogen, die mit flüssigem, heißen Wachs gefüllt ist und zwischen den Trommeln steht.

Taucht der mit einer dünnen Wachsschicht über zogene Dochtstrang wieder auf, hat er Zeit, sich auf der restlichen Str ecke des Rundlaufs von der einen zur anderen Trommel abzukühlen, bis er erneut durchs Wachsbad wandert. Mit jedem Durchgang bleibt eine weitere Wachsschicht am Docht hängen und die Kerze wird dicker. ,,Der Docht wächst Schicht um Schicht wie Jahresringe an einem Baum", beschreibt Jaksch d ie Herstellung. ,,Übrigens hat jede Kerzenart ihren eigenen Docht, denn von ihm hängt die Flammengröße ab, und die muss zur Kerze passen.

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Hier werden weiße Kerzen in gelbe Farbe „aufgetaucht“, damit sie einen elfenbeinfarbenen Glanz bekommen.

Ist die Flamme der Kerze zu groß, flackert sie. Ist die Flamme zu klein, bleibt der äußere Rand stehen und die Kerze rußt", erklärt der Experte.

Hat die Kerze den gewünschten Durchmesser, ,,wird der Zug abgenommen - so nennt man das", sagt Jaksch. Das heißt, der Strang wandert zu einer anderen Maschine, wo er in Stücke geschnitten und - solange das Wachs noch nicht ganz kalt ist - gerade gebogen wird.

Beim Gießen nimmt man - oft aufklappbare - Formen und spannt in der Mitte einen Docht. Dann wird Wachs hinein gegossen. Wenn es erkaltet ist, wird die Kerze aus der Form gelöst. So werden oft durchgefärbte Kerzen hergestellt.

Beim Pressen von Kerzen muss das Wachs nicht geschmolzen werden. Man nimmt vielmehr das krümelige Wachs, von dem ihr am Anfang gelesen habt, und füllt es in einer Maschine in Formen. Dann wird das Wachspulver von zwei Stempelpressen zusammengedrückt und mit einer Rohrnadel ein Loch in die Kerze gebohrt. Durch dieses kommt der Docht.

So: Ob gezogen, gepresst oder gegossen - die Kerze an sich ist soweit fertig. Aber noch ist sie weiß - wie langweilig... Bunt ist doch viel schöner! ,,Ja, in diesem Jahr sind ja auch lila und silberne Advents- und Weihnachtskerzen im Trend", sagt Jaksch.

Zum Einfärben kommt die Rohkerze in die Weiterverarbeitung zum Auftauchen: Dabei lassen die Wachszieher die weißen Rohlinge meist von Maschinen in farbiges Wachs tunken, das sich als ein glänzender Film über den weißen Kern legt. Bei kleineren Mengen wird das Auftauchen per Hand gemacht. Auf diese Weise entstehen die Kerzen, die innen weiß und außen bunt und glänzend sind.

Gemischt aus vier Grundfarben (eine Art Rot, Gelb, Blau und Schwarz) bietet die Aschaffenburger Firma ihren Kunden mehr als 50 Farben zur Auswahl an. Bei der Handhabung mit den Farben ist aber Vorsicht geboten, denn es darf kein Tropfen in die falsche Mischung gelangen. ,,Ein aus Versehen beigemischter Tropfen Rot zum Beispiel gibt ganzen 100 Litern weißes Wachs einen Rotschimmer", weiß der Fachmann. Für manche Kerzen ist der Weg immer noch nicht zu Ende, ihre nächste Station die Veredlung: Dort nehmen sie die Wachsbildner in Empfang, um sie per Hand mit Motiven oder Wachsverzierungen zu schmücken. Wachsbildnerin Anke Cläsgens zum Beispiel betupft mit einem dicken Pinsel christbaumförmige Weihnachtskerzen mit Silberschnee. Eine Kollegin schmückt gerade Zierkerzen zur Goldenen Hochzeit. Dazu schneidet sie behände kunstvolle Schnörkel aus Goldwachs und klebt sie auf die dicken Kerzen.

Sind die Kerzen schließlich fertig gefärbt und verziert, werden sie in einer der Hallen kistenweise verpackt und für den Versand auf Paletten bereitgestellt - bis der Kommissionierer kommt und die Kerzen auf ihre Reise zu den Geschäften schickt. Die Kunden hatten sich schon in den Sommermonaten die Produktpalette für Weihnachten im Show Room der Firma Richard Wenzel angesehen und ihre Bestellung aufgegeben. Im Show Room stehen unzählige unterschiedlich geformte und gefärbte Kerzen hübsch dekoriert zum Anschauen und Auswählen für die Geschäftskunden bereit.

Die Kerzen, die die Großkunden im Sommer für die Weihnachtszeit für ihre Geschäfte ausgesucht haben, könnt ihr jetzt im Laden kaufen, mit nach Hause nehmen und euch mit Kerzenlicht eine schöne, gemütliche Adventszeit machen. Nur auf eines müsst ihr immer achten: ,,Eine Kerze ist offenes Licht und kann leicht etwas in Brand stecken", warnt Jürgen Jaksch nachdrücklich.

Also bitte: Niemals eine Kerze unbeobachtet brennen lassen!

 



Inhalt der Januarausgabe:
  • Im letzten Kinder-Echo des Jahres 2011 haben sich die Redakteurinnen Christina Kolb und Andrea Stütz von Euch verabschiedet. Wer Eure neuen Ansprechpartner sind, erfahrt Ihr jetzt in der Januarausgabe.
  • Die Berufeserie geht weiter: Wir haben für Euch gefragt, was eigentlich eine Logopädin macht.
  • In der Exotenserie stellen wir Euch diesmal die Bonobos vor.
  • Und Kinder-Echo-Leserin Charlotte Scheibel erklärt Euch ihr Hobby: das Voltigieren.
  • Natürlich gibt es auch im neuen Kinder-Echo noch vieles mehr zu entdecken: Rätsel, Gewinnspiele, Tipps und weitere interessante Geschichten und Berichte. Am besten findet ihr es einfach selbst im neuen Kinder-Echo heraus!

Viel Spaß beim Durchforsten der neuen Ausgabe und dem Entdecken noch vieler anderer Themen wünscht euch das Kinder-Echo-Team!

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Das Spiel besteht aus 12 Kartenpaaren, die gemischt und natürlich verdeckt sind. Du solltest nun die richtigen Paare finden. Dazu klickst du immer zwei Kärtchen an. Passen sie nicht zusammen, dann bleiben sie an der Stelle, allerdings umgedreht. Sind es jedoch zwei gleiche Karten, dann bleiben sie aufgedeckt. Ihr könnt das Spiel alleine aber auch zu mehreren spielen. Viel Spaß!
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