11. Februar 2009 | Von Andrea Stütz

Was macht ein Schornsteinfeger?

 
Schornsteinfeger
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In Wersau im Einsatz: Julia Schmid und Ronald Eigenmann. Der wichtigste Schutz gegen Schmutz ist die schwarze Schornsteinfeger-Montur. Foto: Andrea Stütz

 

Julia Schmid und Ronald Eigenmann wollen hoch hinaus. Sie sind nämlich Schornsteinfeger und steigen so mancher Familie im Kehrbezirk Odenwaldkreis VII (sieben) aufs Dach. Heute Vormittag sind sie in Wersau in der Sudetenstraße unterwegs. Ist niemand da, bekommen die Leute einen Zettel in den Briefkasten geworfen mit einem Terminvorschlag und der Nachricht: „Der Schornsteinfeger kommt!“

An der nächsten Tür haben die beiden Schwarzgekleideten Glück: „Guten Morgen“, grüßt Eigenmann, „die Schornsteinfeger sind da. Wir kommen, um ihre Heizungsanlage zu überprüfen.“ Dazu müssen der 34 Jahre alte Schornsteinfeger und seine Auszubildende Julia Schmid (23) aber runter in den Keller der Häuser. Im Gepäck haben sie ihren Messkoffer, in dem zum Beispiel das Messgerät aufbewahrt wird, aber auch andere Instrumente wie der Tauspiegel. Wozu der gut ist, erfahrt ihr gleich…

Außerdem haben sie einen Schornsteinfegerbesen dabei. Der sieht jedoch ganz anders als ein normaler Besen aus: Am vorderen Ende einer ganz langen Stahlkette ist eine kreisrunde Metallbürste angebracht, am hinteren als Gegengewicht eine Kugel. Mit dem Besen können sie vom Dach aus den Schornstein von innen schrubben. Mit dabei haben sie auch eine Haspel, das ist der Besen, mit dem sie den Rauchabzug von unten reinigen.

 
Messkoffer
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Im Messkoffer hat Julia Schmid alle wichtige Geräte dabei. Foto: Andrea Stütz.
Jetzt im Winter geht es aber vor allem darum, die Heizungsanlagen der Leute zu überprüfen. Das heißt, mit dem Messgerät erfassen Julia Schmid und Ronald Eigenmann, wie viel Kohlendioxid und Sauerstoff im Abgas enthalten sind, aber vor allem wie viel Kohlenmonoxid. Dies regelmäßig kontrollieren zu lassen ist sehr wichtig, denn Kohlenmonoxid ist ein Gas, das unsichtbar ist, nicht riecht oder schmeckt, dafür aber sehr gefährlich ist. Davon darf also über den Ofen oder die Feuerstätte nichts in die Raumluft entweichen! Gerät und Rohre müssen dicht sein. Manchmal nimmt Julia Schmid den kleinen Tauspiegel zur Hand und hält ihn an schwer zugängliche Stellen an den Rohren und Leitungen in der Heizungsanlage. Schlägt sich auf dem Spiegelglas Dunst nieder, weiß sie, hier ist was undicht. Solch ein Mangel muss gleich behoben werden.

Außerdem messen die Schornsteinfeger den Abgasverlust einer Heizung. Was ist das? „Abgasverlust ist die Wärme, die beim Betrieb der Feuerstätte ungenutzt verloren geht und über den Schornstein entweicht“, erklärt Julia Schmid.

 
Tauspiegel
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Mit dem Tauspiegel sucht Julia Schmid die Rohre und Leitungen der Heizanlage nach Lecks ab. Foto: Andrea Stütz.
Mit dem Rauchgasprüfgerät misst die Reichelsheimerin, wie viel Ruß im Abgas enthalten ist. Das Gerät sieht so ähnlich aus wie eine Fahrradpumpe, funktioniert aber genau anders herum: Es pustet über den Kolben nicht Luft in das Heizungsrohr, sondern es saugt die Luft durch ein weißes Filterpapierchen an. Nach ein paar Zügen kann die 23-jährige nachschauen, ob sich ein schwarzer Fleck gebildet hat und somit zuviel Ruß über den Schornstein entweicht. „Alles weiß“, stellt sie fest, „alles ok.“ Das gilt für die gesamte Anlage, sie hat die Überprüfung bestanden. Nun klebt die Schornsteinfegerin einen Aufkleber auf die Heizanlage, auf dem steht, wann sie wieder kontrolliert werden muss.

Es gibt Gesetze, die vorschreiben, wie oft bestimmte Anlagen geprüft und gereinigt werden müssen. Das ist wichtig, um vor Bränden zu schützen und zu verhindern, dass irgendwann giftige Gase in die Wohnung strömen und auch, um teure Energie zu sparen.

 
Schornsteinfeger
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Während Ronald Eigenmann den Schornstein putzt, genießt Julia Schmid die schöne Aussicht. Foto: Andrea Stütz
Der Umweltschutz ist nämlich sehr wichtig. Deshalb prüfen die Schornsteinfeger auch, ob die Stoffe in den Abgasen, die aus dem Schornstein kommen, festgesetzte Grenzwerte nicht überschreiten. Geschieht das, muss der Hausbesitzer etwas unternehmen und zum Beispiel seine Anlage richtig warten und einstellen lassen. In solchen Fällen beraten die Schornsteinfeger auch. Das ist genauso Teil ihres Berufes.

Jetzt haben die beiden schon so viel gemessen und geprüft – trotzdem haben sie noch keine rußverschmierten Gesichter. Stimmt es also gar nicht, dass Schornsteinfeger bei der Arbeit schwarze Gesichter kriegen? „Doch, die holt man sich, wenn’s aufs Dach geht zum Reinigen. Gerade im Winter, wenn mit Holz gefeuert wird, wird man richtig schwarz“, erzählt Eigenmann, der seit 1990 Schornsteinfeger ist. „Da rußt es richtig raus und man muss manchmal einen Mundschutz tragen.“

Apropos Dach – genau dort geht’s jetzt hin. Ein Schornsteinfeger sollte also schwindelfrei sein. Julia Schmid und Ronald Eigenmann kümmert die Höhe nicht: „Die Aussicht von den Dächern ist super“, wirbt der 34-jährige für den Ausstieg aus der Dachluke. Nee, lieber nicht...

Julia Schmid genießt und Ronald Eigenmann putzt. Als er fertig ist und sich umdreht, steht fest: Hier wird entweder wenig oder nicht mit Holz geheizt, denn schwarz ist sein Gesicht immer noch nicht. Darüber ärgert sich das Kinder-ECHO schwarz – gerne hätten wir euch ein lustiges Foto mit rußigen Gesichtern präsentiert. Diesmal haben wir kein Glück gehabt...

 



Inhalt der Januarausgabe:
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  • In der Exotenserie stellen wir Euch diesmal die Bonobos vor.
  • Und Kinder-Echo-Leserin Charlotte Scheibel erklärt Euch ihr Hobby: das Voltigieren.
  • Natürlich gibt es auch im neuen Kinder-Echo noch vieles mehr zu entdecken: Rätsel, Gewinnspiele, Tipps und weitere interessante Geschichten und Berichte. Am besten findet ihr es einfach selbst im neuen Kinder-Echo heraus!

Viel Spaß beim Durchforsten der neuen Ausgabe und dem Entdecken noch vieler anderer Themen wünscht euch das Kinder-Echo-Team!

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