18. Januar 2012 | Von Andrea Stütz

Was macht eigentlich eine Logopädin?

Beim Spielen "S"-Laute richtig aussprechen
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Beim Spielen lernt Maren ganz nebenbei die "S"-Laute richtig auszusprechen. Foto: Andrea Stütz Logopädie

Brautkleid bleibt Brautkleid und Blaukraut bleibt Blaukraut ... bei solchen Zungenbrechern verhaspeln sich die meisten Menschen. Manche haben aber ständig Probleme beim Sprechen: Sie lispeln (wie eure Kinder-Echo-Redakteurin übrigens auch ein bissssschen...) oder stttt-otttt-tttern. Andere vertauschen „k“ und „t“, sodass aus „Katze“ „Tatze“ wird, oder können kein „ch“ und „sch“ sprechen und sagen „is“ für „ich“ oder „swierig“ statt „schwierig“.

Es gibt Menschen, die vergessen nach einem Unfall oder einer Krankheit Wörter und ihre Bedeutung. Es gibt Leute, die oft Grammatikfehler machen. Wieder andere haben Beschwerden beim Schlucken. Die können zum Beispiel nach einem Schlaganfall auftreten und auch beim Sprechen hinderlich sein.

Nicht selten gibt es kleine Kinder, deren Wortschatz nicht altersgemäß ausgebildet ist: Als Richtwert sagt man, dass Zweijährige ungefähr 50 Wörter sprechen und Zwei-Wort-Sätze bilden können sollten.

 
Übungen zur Kräftigung der Zungenmuskulatur
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Konzentriert macht Maren die Übungen zur Kräftigung der Zungenmuskulatur vor dem Spiegel.Foto: Andrea Stütz

Ihr seht also: Sprach- und Sprechprobleme sind vielfältig. Aber für die meisten gibt es eine Lösung. Wer durch eine Sprachstörung oder Schluckbeschwerden Schwierigkeiten im Alltag hat, der kann sich von einem Logopäden helfen lassen. Aber wie macht der das? Das Kinder-Echo hat die Darmstädter Logopädin Kathrin Brandt in ihrer Praxis besucht und ihr bei der Arbeit sprichwörtlich über die Schulter geschaut.

Als Allererstes erfahren wir von Kathrin Brandt: Es gibt viele Ursachen für Sprach- und Sprechstörungen. Sie können durch schlechtes Hören entstehen oder weil die Patienten Laute nicht richtig erlauschen können, oder durch Zungenmuskelschwäche, Hirnschäden, Krankheiten, Unfälle und Gesichtsmuskellähmungen.

Schickt ein Arzt einen Patienten in die Praxis von Kathrin Brandt, muss sie erst mal eine Diagnose erstellen. Das heißt, die Logopädin findet heraus, was das Problem des Patienten ist und was die Ursache dafür. Dazu spricht sie mit dem Patienten – und, wenn es sich um ein Kind handelt, auch mit seinen Eltern: Welche Probleme gibt es? Wann treten sie auf? Gibt es sonst noch Auffälligkeiten, zum Beispiel schlechte Noten in der Schule? Wann hat der Patient sprechen gelernt? Gab es Krankheiten? Anschließend macht die Logopädin Tests mit den Patienten. Sie müssen zum Beispiel einen Text vorlesen, Laute erkennen oder Grammatikübungen machen.

Die Antworten und Testergebnisse fasst die Logopädin in einem Bericht zusammen. Die Befragung und der Bericht über die Leidensgeschichte des Patienten heißt Anamnese. Ist diese fertig, entwickelt die Logopädin eine passende Therapie. Eine Sitzung dauert 45 Minuten und die Patienten müssen meistens zwischen 20 und 60 Mal kommen, um ihr Sprachproblem zu beheben.

Maren zum Beispiel lispelt ein bisschen. Deshalb kommt die Vierjährige seit einiger Zeit zu Kathrin Brandt. Heute beginnt ihre Stunde mit einem Spiel, in dem sie den S-Laut unterscheiden muss: Wird das „S“ in einem Wort so scharf wie von einer Schlange gezischt oder so weich wie eine Biene summt gesprochen? Abwechselnd erraten die Logopädin und das Mädchen, was auf den Karten abgebildet ist, sprechen das Wort deutlich aus und ordnen die Karten jeweils dem Stapel bei der Schlange oder dem Stapel bei der Biene zu. „Bei diesem Spiel üben wir, den S-Laut zu unterscheiden und in Worten richtig auszusprechen“, erklärt Kathrin Brandt. Fertig! Maren hat fast alles richtig gemacht.

 
Mit Spiel und Spaß lernen
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Der "Bus" kommt auf den Kartenstapel zur Schlange, die "Sonne" kommt zur Biene...Foto: Andrea Stütz

Und jetzt? Kathrin Brandt baut einen Spiegel vor sich und Maren auf, um ein neues Spiel zu beginnen: Maren und die Logopädin ziehen abwechselnd aus einem Säckchen Karten und führen die Übungen, die darauf abgebildet sind, vor dem Spiegel genau aus: zum Beispiel „mit der Zunge einmal um den Mund herum die Lippen lecken“ oder „ die Zunge zur Nasenspitze strecken“. Das ist lustig, es gibt Punkte für jede korrekt ausgeführte Übung – und es stärkt die Zungenmuskulatur und verbessert die Mundmotorik. Maren gewinnt!

Zum Abschluss darf Maren sich ein drittes Spiel aussuchen. In diesem muss sie Sätze mit dem S-Laut üben, wieder abwechselnd mit Kathrin Brandt. Super, Maren macht fast keine Fehler. Aber nanu, was ist da los? Plötzlich macht ja Kathrin Brandt einen Fehler! Das bemerkt die Vierjährige und korrigiert die Logopädin pflichtbewusst.

Später erklärt Kathrin Brandt: „Manchmal mache ich extra Fehler, wenn es gut läuft, um die Aufmerksamkeit des Patienten für den Alltag zu schärfen.“ Darauf kommt es schließlich an. Deshalb gibt es viele Aufgaben, die Patienten im Alltag machen müssen: Marens Eltern zum Beispiel sollen ganz bewusst Fehler in Sätze einbauen, damit Maren sie hört und verbessern kann.

Andere Patienten, zum Beispiel die, die stottern, vermeiden etwa gerne Telefongespräche, weil ihr Problem dabei stärker als im normalen Gespräch auffällt und sie verunsichert. „Deshalb lasse ich gerade diese Patienten bei der Telefonauskunft anrufen und ermuntere sie, bewusst stark zu stottern“, erzählt die Logopädin. „So bauen wir die Angst ab, die eine solche Situation macht.“ Dann bekommen die Patienten die Hausaufgabe, noch einen Schritt weiter und in ein Geschäft zu gehen und dort extra stotternd nach etwas zu fragen. Ganz schön peinlich ... Aber auch diese Übung dient dazu, die Angst abzubauen und die Sprachstörung als etwas Normales zu erleben. „Anschließend gibt es natürlich eine Belohnung und wir essen zum Beispiel ein Stück Kuchen in der Bäckerei“, erzählt Kathrin Brandt.

„Im Umfeld sollte das Problem auch ruhig offen angesprochen werden, denn es hilft, über Dinge zu sprechen, die einem Angst machen“, sagt Kathrin Brandt.

Aber die Logopädin hilft den Patienten nicht nur, eine andere Einstellung zu ihrem Sprachproblem zu entwickeln, sondern vermittelt ihnen natürlich auch Techniken und Atemübungen, um damit besser umzugehen. Um lockerer sprechen zu können, lernen Stotterer zum Beispiel vor oder in dem gestotterten Wort kurz anzuhalten, alle Wörter in einem Rhythmus oder verbunden zu sprechen.

Übrigens gibt es viele Lehrer, die zu Kathrin Brandt in die Praxis kommen! Warum? „Menschen in Sprechberufen leiden häufig unter Heiserkeit, müssen sich oft Räuspern oder bekommen ein Kloßgefühl im Hals, weil die Stimme im Beruf stark beansprucht wird“, erklärt sie. Mit bestimmten Techniken und Übungen zur Stimmkräftigung, die sie bei der Expertin lernen, können die Betroffenen ihre Stimme künftig schonen.

Nach jeder Stunde schreibt die Logopädin einen Bericht in die Patientenakte. Dabei helfen ihr die Notizen, die sie während der Stunde gemacht hat. Sie hält Fortschritte fest, überlegt, wie die Therapie weitergehen soll und formuliert Ziele, die in der nächsten Stunde erreicht werden sollen. Nach zehn Therapiestunden muss sie außerdem einen Bericht an den Arzt schicken, der entscheidet, ob die Therapie fortgesetzt wird.

Da Kathrin Brandt eine eigene Praxis hat, muss sie sich um viel Papierkram kümmern, wie Rechnungen schreiben. Damit ihr genug Zeit für die Büroarbeit bleibt, kann sie höchstens acht Therapiesitzungen am Tag machen. Ganz schön viel! „Ja, aber es ist ein schöner Beruf, weil man viel mit Menschen zu tun hat und am Ende der Arbeit fast immer ein Erfolg steht“, findet die Logopädin.

 



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Inhalt der Februarausgabe:
  • Februar ist Fasnachtszeit: In der neuen Ausgabe erfahrt ihr Wissenswertes rund um den Fastnachtsbrauch .
  • Außerdem starten wir mit einer neuen Serie:"Seltene Tiere im Wald". Als erstes Tier dieser Reihe stellen wir euch den Wolf vor.
  • Ferner haben wir Zwillinge gefragen, wie es wohl so ist, am 29. Februar Geburtstag zu haben.
  • Und Kinder-Echo-Leser Daniel Worringer erklärt Euch sein Hobby: Tennis.
  • Wie immer - Bücher, CD's und ein Preisrätsel.

Viel Spaß beim Durchforsten der Ausgabe und dem Entdecken noch vieler anderer Themen wünscht euch das Kinder-Echo-Team!

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Ihr schickt uns Monat für Monat Hunderte von tollen selbstgemalten Bildern mit dem Lösungswort des Preisrätsels. Leider können wir aus Platzgründen immer nur einige abdrucken. Doch wozu gibt es das Internet? Klickt einfach in die Bildergalerie.
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Das Spiel besteht aus 12 Kartenpaaren, die gemischt und natürlich verdeckt sind. Du solltest nun die richtigen Paare finden. Dazu klickst du immer zwei Kärtchen an. Passen sie nicht zusammen, dann bleiben sie an der Stelle, allerdings umgedreht. Sind es jedoch zwei gleiche Karten, dann bleiben sie aufgedeckt. Ihr könnt das Spiel alleine aber auch zu mehreren spielen. Viel Spaß!
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