18. August 2010 | Von Christina Kolb

Was macht eigentlich ein Wandgestalter und Farbdesigner?

Kinder-Echo trifft den Kommunikationsdesigner Jörn Heilmann aus Darmstadt

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Klack, Klack, Klack. Zsch, zsch.zsch: Der Wandgestalter bei der Arbeit an der Unterführung Kasinostraße in Darmstadt.


Wandgestalter... könnt ihr euch vorstellen, was das ist? Ein Maurer, der die Wände mauert? Ein Maler, der die Wände bemalt? Mit Malen hat es schon was zu tun, denn ein Wandgestalter ist einer, der Wände schöner macht! Ganz so einfach ist das aber natürlich nicht, und darum hat sich das Kinder-Echo mit einem Mann getroffen, der auch in unserer Gegend schon viele Wände gestaltet hat: Mit dem Kommunikationsdesigner Jörn Heilmann, 39 Jahre alt, aus Darmstadt.

,,Zunächst mal ist ,Wandgestalter' keine geschützte Berufsbezeichnung, aber mit diesem Begriff lässt sich am besten ausdrücken, womit ich mich beschäftige", sagt Jörn Heilmann. Es sind nämlich hauptsächlich riesengroße Flächen und Außenwände, die er gestaltet. Mit Malen oder Zeichnen auf Blättern im Din-A-3 oder Din-A-4-Format hat seine Arbeit wenig zu tun. Heilmann soll auch nicht einfach die Flächen anmalen oder besprayen. Vielmehr muss er ein Gesamtkonzept entwickeln und auf die Wünsche der Kunden eingehen. Da könnt ihr euch jetzt wahrscheinlich auch wenig drunter vorstellen. Daher möchten wir euch anhand des jüngsten Projekts von Jörn Heilmann die Arbeitsweise eines Wandgestalters darstellen.

 
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Einen Blick für Farben muss Jörn Heilmann als Wandgestalter und Farbdesigner haben. Foto: privat
,,In diesem Fall hat mich das Planungsamt der Stadt Darmstadt angesprochen, ob ich ein Gestaltungskonzept für den Tunnel in der Unterführung Kasinostraße/Ecke Julius Reiber-Straße in Darmstadt entwickeln könnte", erzählt der sympathische junge Mann. Zunächst findet immer eine gemeinsame Vor-Ort-Begehung statt. Dabei sah Heilmann gleich: Der Tunnel war bislang ein dunkles Loch, total beschmiert und düster.

Der Kommunikationsdesigner und das Stadtplanungsamt beschlossen, dass Jörn Heilmann diesen Tunnel aufwerten sollte - und zwar zusammen mit Jugendlichen im Rahmen eines professionellen Graffiti-Workshops unter seiner Leitung. Die Jugendlichen waren schnell gefunden: eine 12. Klasse des Ludwig-Georg-Gymnasiums (LGG) mit Leistungskurs Kunst. ,,Es muss nicht zwangsläufig Graffiti-Technik sein, aber damit spricht man die Jugendlichen an und verhindert vielleicht, dass die Wand gleich wieder illegal beschmiert wird", sagt der Fachmann. So wurde dann auch entschieden, die aktuellen Trendthemen Sport, Freizeit und neue Medien in das Konzept einzuarbeiten.

Jetzt musste der Kommunikationsdesigner einen Entwurf am Computer und auf dem Papier erarbeiten, das heißt sich Bildmotive überlegen und skizzieren. Diese müssen später auch im Großformat auf - in diesem Fall 180 Quadratmeter Fläche - gut aussehen. ,,Das ist die Phase, in der bei mir überall Zettelchen herumfliegen, auch noch abends neben dem Bett", erzählt Heilmann und lacht. Denn manche Ideen kommen sprichwörtlich ,,über Nacht" - und da müssen der Stift und das Papier bereitliegen.

Der Entwurf wurde genehmigt, nun hieß es: Die notwendige Anzahl von Farben und Sprühdosen bestellen. ,,Die lasse ich mir bei Farbhändlern mischen".

 
Hunderte von Sprühdosen
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Hunderte von Sprühdosen verbraucht der Darmstädter für ein Projekt. Foto: privat
Und wieviel braucht man für eine so große Fläche? ,,Da gehen schon ein paar Hundert Sprühdosen drauf", erzählt der Profi-Sprayer. Farbe, Konzept, Mitarbeiter - alles stand bereit. Nun hieß es nur noch: Warten auf einigermaßen gutes Wetter. Denn Sprayen und Malen im Regen funktionieren draußen natürlich nicht.

Im April diesen Jahres war es dann soweit: In den Abendstunden eines sonnigen Frühlingstages trafen sich Jörn Heilmann, zwei seiner Mitarbeiter und die LGG-Schüler an der Tunnelunterführung. In den Abendstunden? Da wird's doch dunkel... ,,Das soll so sein, denn die Skizzen werden mit Hilfe eines Beamers, also eines Projektors, auf die Wand übertragen", erklärt der Wandgestalter. Es ist im Prinzip ähnlich, wie wenn ihr euch Dias auf einer Leinwand anschaut: Das geht auch nur, wenn's dunkel ist.

Bevor das Sprayen beginnt, setzen er und seine Mitarbeiter wegen der giftigen Lösungsmitteldämpfe erst mal Atemschutzmasken auf, ziehen Schutzhandschuhe und alte Malerklamotten an, manchmal benutzen sie einen Augenschutz.

Jetzt geht es los. Im Hintergrund ist Rap-Musik zu hören und im Vordergrund ein regelmäßiger Wechsel von ,,klack, klack, klack" und ,,zsch, zsch, zsch". Jörn Heilmann schüttelt die Sprühdosen und drückt anschließend auf den Sprühknopf. Zunächst mal sprüht der Profi die schwarzen Umrandungen auf die Wand. Dazu müsst ihr wissen, dass Graffitis in drei Schritten entstehen: Erst skizziert man die Ränder, dann werden die Flächen gefüllt und schließlich zieht man die dunklen Ränder nach und setzt Glanzlichter.

Nach rund drei arbeitsintensiven Wochen und ein paar Hundert Sprühdosen weniger war das bunte und trendige Kunstwerk fertig gestellt.

Für Jörn Heilmann, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat, ist diese Art der Wandgestaltung ein Traumjob. ,,Vor allem deshalb, weil ich Konzepte mit den Kunden zusammen erarbeiten kann, und zum anderen weil ich mich kreativ ausdrücken kann."

 



Inhalt der Januarausgabe:
  • Im letzten Kinder-Echo des Jahres 2011 haben sich die Redakteurinnen Christina Kolb und Andrea Stütz von Euch verabschiedet. Wer Eure neuen Ansprechpartner sind, erfahrt Ihr jetzt in der Januarausgabe.
  • Die Berufeserie geht weiter: Wir haben für Euch gefragt, was eigentlich eine Logopädin macht.
  • In der Exotenserie stellen wir Euch diesmal die Bonobos vor.
  • Und Kinder-Echo-Leserin Charlotte Scheibel erklärt Euch ihr Hobby: das Voltigieren.
  • Natürlich gibt es auch im neuen Kinder-Echo noch vieles mehr zu entdecken: Rätsel, Gewinnspiele, Tipps und weitere interessante Geschichten und Berichte. Am besten findet ihr es einfach selbst im neuen Kinder-Echo heraus!

Viel Spaß beim Durchforsten der neuen Ausgabe und dem Entdecken noch vieler anderer Themen wünscht euch das Kinder-Echo-Team!

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