02. Juni 2010 | Von Andrea Stütz

Was macht eigentlich ein Verkäufer?

Kinder-Echo hat den Angestellten im Spielwaren Faix in Darmstadt bei ihrer Arbeit über die Schulter geschaut

Wolfgang Bröcker
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Verkäufer Wolfgang Bröcker berät eine Kundin in der Spieleabteilung. Foto: Andrea Stütz

Guten Tag! Kann ich Ihnen helfen? Suchen Sie was Bestimmtes?", fragt Wolfgang Bröcker mit einem strahlenden Lächeln und geht dabei auf eine Frau zu, die gerade die Spiele-Abteilung im ,,Spielwaren Faix" betreten hat. Sie blickt suchend um sich. Als der Verkäufer sie anspricht, ist sie sichtlich froh: ,,Oh ja gerne! Ich suche ein Spiel für ein Vorschulkind, mit dem es die Uhrzeit lernen kann." Mit diesem Anliegen ist sie bei Wolfgang Bröcker genau richtig. Er ist der Spiele-Experte unter den Verkäufern in dem Geschäft in der Darmstädter Innenstadt.

Das Kinder-Echo hat ihm und seinen Kollegen bei der Arbeit über die Schulter geschaut und sich erzählen lassen, was ein Verkäufer alles machen und können muss. ,,Als erstes: Er muss immer freundlich, höflich und hilfsbereit sein", sagt Verkaufsleiterin Barbara Rodemich. ,,Er muss mit den Kunden reden können, auch mal über andere Sachen als das, was sie kaufen wollen." Das kann Bröcker.

Aber vor allem kennt er sich - und das ist für einen guten Verkäufer superwichtig - mit seinen Waren sehr gut aus: ,,Er ist der ideale Verkäufer für Spiele, denn er spielt selbst leidenschaftlich gern und hat viele der Spiele schon ausprobiert." Kein Wunder, dass Bröcker im Nullkommanichts die Spielregeln und das, was an den Spielen Spaß macht, seiner Kundin erklären kann. Als sie sich für ein Spiel entschieden hat, geht sie mit Bröcker zur Kasse. Dort zahlt sie das Spiel, der Verkäufer packt es ihr in eine Tüte und wünscht ihr ,,noch einen schönen Tag". Kaum ist die Frau weg, kommt schon der nächste Kunde.

Zur gleichen Zeit berät Barbara Rodemich Alisha und Anita in der Bücherabteilung nebenan. Was haben die beiden als letztes gelesen? Was hat ihnen besonders gut gefallen? Die Verkaufsleiterin ist die Buchspezialistin im Geschäft, hat in vielen der Bücher selbst geschmökert und kann den 12-Jährigen deshalb gute Tipps geben, was ihnen gefallen könnte .

So wie Wolfgang Bröcker der Spielefachmann und Barbara Rodemich die Buchexpertin ist, hat jeder Verkäufer sein Spezialgebiet, in dem er die Waren, ihre Eigenschaften, Besonderheiten und die Trends besonders gut kennt: Babyspielsachen, Eisenbahnen und Modellautos, Malfarben, Kuscheltiere, Puppen und Co. Sich auf die Produkte in einer Etage zu spezialisieren, macht Sinn. Denn keiner der Verkäufer könnte es wohl schaffen, sich die Besonderheiten von den rund 30 000 Artikeln im Geschäft alle zu merken.

Und jeder der Verkäufer hat ohnehin auf seiner Etage meistens genug zu tun... An Wochenenden, aber vor allem vor Weihnachten und Ostern, bleibt den Angestellten kaum eine Verschnaufpause. Sie müssen von einem Kunden direkt zum nächsten und manchmal drei gleichzeitg bedienen. Natürlich dürfen sie dabei keinen vergessen! Sonst ist der Kunde sauer. Von einer Sekunde auf die andere müssen Bröcker, Rodemich und ihre Kollegen sich dann auf neue Leute einstellen.

,,Es gibt keinen anderen Beruf, in dem man so viel Verschiedenes erlebt, und es gibt keine andere Branche, in der man sich so schnell und so stark wandeln können muss", sagt Rodemich. ,,Es kommen hundert Menschen am Tag und jeder ist anders: Mal kommt

eine vergessliche ältere Dame, mal gestresste Eltern, mal ein aufgedrehtes oder trauriges Kind, das der Verkäufer dann erst einmal wieder aufpäppelt. Manche wissen genau, was sie wollen, andere haben keine Ahnung", erzählt sie.

Manche Kunden kommen auch in das Geschäft, um sich zu beschweren, zum Beispiel weil etwas, das sie hier gekauft haben, kaputt gegangen ist. Dann sprechen die Verkäufer mit den Herstellern, schicken die kaputten Sachen ein und bitten um Ersatz. Das wichtigste dabei ist wieder: ,,Immer freundlich bleiben!" Erst recht, wenn der Kunde schimpft. ,,Manchmal müssen die Leute erst Dampf ablassen, wenn sie was verschenkt haben und es schnell kaputt geht. Danach kann man das aber in Ruhe regeln", sagt Bröcker. ,,Und man darf dann nicht gleich den Kopf hängen lassen, auch wenn es mal eine auf den Deckel gibt. Der nächste Kunde will ja trotzdem nett beraten werden!"

Braucht gerade kein Kunde Hilfe oder will zahlen, haben die Verkäufer einen Moment Pause. Aber selbst dann dürfen sie sich nicht gehen lassen - na ja, ,,gehen" schon. Denn langsam gehen oder stehen ist o.k.,

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nur eines darf ein Verkäufer auf keinen Fall: Rumsitzen! ,,Das ist unhöflich und wirkt ablehnend. Das geht gar nicht", erklärt die Verkaufsleiterin.

Da zum Verkäufersein nicht nur beraten, verkaufen und kassieren gehören, haben die Verkäufer auch ohne Kunden zu tun: Schon bevor der Laden um 9.30 Uhr am Morgen öffnet, haben die Angestellten die Computer an der Kasse hochgefahren, ihr Wechselgeld abgeholt und in die Kasse sortiert, die Spielsachen, die tagsüber vor dem Geschäft stehen, rausgeräumt und die Lieferung angenommen. Die wurde am Vortag von den Einkäufern bestellt und kommt jeden Morgen aus dem Lager in Arheilgen.

Woher die Einkäufer wissen, was sie bestellen müssen? Alles, was in der Kasse als verkauft eingetippt wurde, wurde per Computer an sie übermittelt, und sie haben es dann im Lager bestellt.

Im Laufe des Vormittags packen die Verkäufer dann die neuen Waren aus und füllen die Regale wieder auf. Wo nötig, machen sie sauber und dekorieren alles schön. Dabei achten sie zum Beispiel darauf, dass viel gekaufte Artikel auf Augenhöhe platziert sind. Große und sperrige Sachen kommen ganz nach oben. In regelmäßigen Abständen gestalten die Verkäufer zudem die Schaufenster nach Themen um. Beim Thema ,,Frühling" zum Beispiel schmücken bunte Blumen, Schaufeln, Förmchen, Bälle und Spielsachen für draußen die Fenster. Jetzt im Juni beherrscht natürlich vor allem ein Thema die Schaufenster: ,,Fußball-WM"! ,,Dann wird einer aus der Abteilung ausgedeutet, der die Schaufenster mit Fußbällen und anderen zum Thema passenden Artikeln gestalten darf", erklärt Rodemich.

In großen Kaufhäusern gibt es übrigens Leute, die nur das machen. Die nennt man Schaufensterdekorateure. In kleineren Geschäften wie dem Spielwarenladen gehört das aber zum Job des Verkäufers. In solch einem Privatgeschäft sind die Verkäufer so genannte ,,Allrounder", also Alleskönner. Diese Alleskönner bauen deshalb auch für die Ladendekoration selbst die Carrerabahnen und Fußballtore hier, die Puppenhäuser oder Marionettentheater dort auf und arrangieren die Spielsachen als Blickfänger. Auch dabei gilt: Bequem in den Schneidersitz setzen und rumtüfteln ist tabu! ,,Stattdessen muss man versuchen, irgendwie anständig in die Hocke zu gehen, so dass man schnell aufstehen kann, wenn ein Kunde Hilfe braucht", sagt die Verkaufsleiterin.

Puh, bei einem Job, bei dem Sitzen verboten ist, freut man sich abends bestimmt sehr auf die Couch, oder? ,,Manchmal schon, wenn richtig viel los war, kann es sein, dass man heimkommt und total kaputt ist", erzählt Rodemich. ,,Ja, deshalb braucht man Durchhaltevermögen", ergänzt Bröcker. ,,Aber geht ein Kunde zufrieden heim, kommt beim nächsten Mal wieder und fragt sogar gezielt nach einem, geht das runter wie Öl."

Und genau das motiviert den Verkäufer, am nächsten Tag wieder ein strahlendes Lächeln aufzusetzen und seine Kunden mit vollem Einsatz zu beraten.

 



Inhalt der Januarausgabe:
  • Im letzten Kinder-Echo des Jahres 2011 haben sich die Redakteurinnen Christina Kolb und Andrea Stütz von Euch verabschiedet. Wer Eure neuen Ansprechpartner sind, erfahrt Ihr jetzt in der Januarausgabe.
  • Die Berufeserie geht weiter: Wir haben für Euch gefragt, was eigentlich eine Logopädin macht.
  • In der Exotenserie stellen wir Euch diesmal die Bonobos vor.
  • Und Kinder-Echo-Leserin Charlotte Scheibel erklärt Euch ihr Hobby: das Voltigieren.
  • Natürlich gibt es auch im neuen Kinder-Echo noch vieles mehr zu entdecken: Rätsel, Gewinnspiele, Tipps und weitere interessante Geschichten und Berichte. Am besten findet ihr es einfach selbst im neuen Kinder-Echo heraus!

Viel Spaß beim Durchforsten der neuen Ausgabe und dem Entdecken noch vieler anderer Themen wünscht euch das Kinder-Echo-Team!

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