Was machen Insekten im Winter?
Ameisen, Schmetterlinge und Marienkäfer haben schlaue Taktiken, in der kalten Jahreszeit zu überleben
Wisst ihr eigentlich, ob und wie die Insekten im Winter (über)leben? Wir haben für euch mal die Ameisen, Schmetterlinge und Marienkäfer herausgepickt . . .
Ameisen:
Wenn es im Herbst allmählich kälter wird, machen sich die Ameisen auf den Weg in ihr Winterquartier. Sehr weit müssen sie nicht krabbeln, aber dafür einige Meter tief. Dazu muss man jedoch wissen, dass die Strecke von einem Meter für eine Ameise so viel ist wie 40 Stockwerke für uns Menschen: Unter dem Ameisenhaufen, mehrere Meter tief in der Erde, liegt das Winternest, zum Beispiel unter den Wurzeln eines großen Baumes.
Dort unten ist es wärmer als in den Gängen aus Tannennadeln, Zapfen und Holzstückchen oben im Ameisenhaufen. Am tiefsten Punkt versammeln sich die Königin und die Arbeiterinnen und fallen in eine Art Winterschlaf. Allerdings sind sie während dieser Zeit nicht allein – in den kalten Monaten haben sie Gäste in ihrem Winterquartier . . .
Sie gewähren ihren „Haustieren”, den Blattläusen, Unterschlupf. Denn diese kleinen Schädlinge stellen im Sommer das Lieblingsgericht der Ameisen her: Honigtautropfen. Wenn die Läuse den Pflanzensaft aus den Blättern saugen, sondern sie an ihrer Rückseite zuckrige Tropfen ab. Für die Ameisen sind diese Tropfen Leckereien wie für uns Schokolade. Während des Winterschlafs fressen die Ameisen allerdings gar nichts. Sobald jedoch die Frühlingssonne den Ameisenhaufen wärmt und die Langschläfer aufweckt, tragen sie ihre Blattläuse nach draußen und haben umgehend etwas zum Naschen.
Schmetterlinge:
Noch einen weiteren Winter-Gast haben die Ameisen in ihrem Bau: den Schmetterling „Schwarzgefleckter Bläuling“. Die meisten Schmetterlinge sterben im ersten Frost, lassen jedoch vorher in kleinen Ritzen oder hohlen Pflanzen-Stängeln ihre Eier oder kleine Raupen zurück. Andere Schmetterlinge überwintern im Puppenstadium an einen Baum geklebt, getarnt als Zweig oder trockenes Blatt. Der Schwarzgefleckte Bläuling hat sich hingegen etwas ganz Schlaues ausgedacht. Seine Raupe macht sich im Herbst auf die Suche nach einer Ameisenstraße. Das ist ungewöhnlich, denn eigentlich sind Ameisen Feinde der Schmetterlingsraupen. Ameisen fressen Schmetterlinge nämlich normalerweise, wenn sie Gelegenheit dazu haben! Sobald aber die Bläulings-Raupe von Ameisen umzingelt ist, sondert sie einen süßen Tropfen ab. Der schmeckt den kleinen Krabblern so gut, dass sie diesen „Raupen-Saft-Automaten“ in ihren Bau schleppen und in Ruhe lassen, ohne ihn anzuknabbern. Und genau das beabsichtigt die Raupe. Sie will nämlich im Inneren des Ameisenhügels überwintern. Dort ist sie sicher vor all ihren Feinden: den Vögeln, Igeln und bösgesinnten Insekten. Außerdem ist es da drinnen im Ameisenbau auch nicht ganz so kalt. Und so haben letztlich alle Beteiligten etwas davon: Die Ameisen können den süßen Raupensaft genießen, die Raupe überwintert in der Sicherheit des Ameisenbaus und kann noch dazu die eine oder andere Ameisenlarve vernaschen. Denn irgend etwas muss ja auch die Raupe während dieser Zeit fressen. Im Frühling kriecht dann ein wunderschöner Schmetterling mit blassblauen Flügeln aus dem Ameisenhügel: der Schwarzgefleckte Bläuling.
Marienkäfer:
Auch Marienkäfer überwintern nach einer cleveren Taktik. Gewissermaßen nach einem Fünf-Punkte-Plan. Punkt eins: Sie suchen sich im Herbst einen Ort, an dem sie geschützt sind: Unter Laub oder Moos, in tiefen Baumritzen oder unter dicken Felsbrocken. An solchen Plätzen sind sie dem Frost nicht direkt ausgesetzt. Temperaturen von Minus zehn bis Minus 15 Grad können sie so geschützt gut aushalten. Punkt zwei: Sie haben die richtige Körperflüssigkeit. Der Marienkäfer hat, wie viele andere Insekten, in seiner Körperflüssigkeit eine Art Frostschutzmittel, die das Gefrieren bei Minusgraden verhindert. Andernfalls würde das Körperchen regelrecht zerplatzen. Punkt drei: Die Marienkäfer überwintern zusammen mit anderen Artgenossen in großen Gruppen. Bis zu 100 Marienkäfer kann man in der kalten Jahreszeit an einer geschützten Überwinterungs-Stelle beobachten. Damit sie sich gegenseitig finden können, sondern die Tierchen einen Duftstoff ab. Punkt vier: Ziel der Gruppen-Überwinterung ist, dass die einzelnen Käfer im Frühling in dieser Gruppe leicht einen Partner für die Eiablage finden. Sie sparen somit kostbare Zeit, denn eine lange Partnersuche ist dadurch unnötig. Punkt fünf: Die Marienkäfer entgehen der Gefahr, auf Verlockungen hereinzufallen. Da sie unter einem Laubhaufen oder unter Moos versteckt sind, spüren sie kurzzeitigen wärmenden Sonnenschein nicht. Erst, wenn der Winter wirklich vorbei ist, können sie gefahrlos ihren Schutzplatz verlassen. Andernfalls würden sie schnell verhungern, weil sie noch kein Futter finden. Marienkäfer sollten daher nicht aus ihrem Winterschlaf geweckt werden!


