01. April 2009 | Von Christina Kolb
Warum Vögel zwitschern...
Die Vogelsprache
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Aus voller Kehle singt das Starenmännchen, was man an den abgespreizten Federn unterhalb des Schnabels erkennt. Foto: Ingrid Hoffmann
Bei denen piept’s wohl: Lange vor Sonnenaufgang, wenn ihr noch im Tiefschlaf gemütlich im Bett liegt, sind sie bereits hellwach, trällern und singen in höchsten Tönen vor sich hin: Meisen, Amseln, Rotkehlchen, Feldlerchen, Zaunkönige und noch viele mehr. Zahlreiche Zugvögel sind zurück aus ihren Winterquartieren im warmen Süden. Singdrossel, Bachstelze, Zilpzalp und Gebirgsstelze sind schon hier. Und jetzt, Ende März, Anfang April kommen Rauchschwalbe und Mönchsgrasmücke wieder nach Südhessen. Amseln und Lerchen sitzen zu dieser Jahreszeit sogar schon auf ihren Nestern.
Bis spätestens Ende April werden die meisten Vogelarten heimgekehrt sein, denn nach dem langen Winter wird es auch bei uns langsam aber sicher wieder wärmer. Und die versammelte Mannschaft der Piepmätze singt lauthals den Frühling ein.
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Beim Brüten herrscht "Elternteilzeit". Beide - Vogelpapa und Vogelmama - wechseln sich ab. Foto: pixelio.
Wisst ihr eigentlich, dass sie nicht nur aus Spaß an der Freude singen? Was wir Menschen als Trällern und Zwitschern empfinden, ist für die Vögel ihre Sprache. „Der Hauptgrund, warum die Vögel ihre vorwiegend morgendlichen Zwitscherkonzerte abhalten, ist zu signalisieren: Hier ist mein Revier!“, erklärt Vogelkundlerin Ingrid Hoffmann aus Messel, die beim Naturschutzbund (Nabu) tätig ist. Um ihr Revier zu verteidigen, pfeifen sie also jedem Vogel etwas, der ihnen ins Gehege kommt. Und das tun sie eben vorwiegend – und aus voller Kehle fiepend – in den frühen Morgenstunden.
Im Frühling hat der Vogelsingsang einen weiteren Grund: Wenn nämlich die ersten wärmenden Sonnenstrahlen scheinen, bekommen die Gefiederten Frühlingsgefühle. Besonders viel und schön singen die Männchen. Sie wollen damit auf sich aufmerksam machen und den Weibchen gefallen. Um ein Weibchen „balzen“ nennt man das in der Fachsprache. „Die Männchen locken die Weibchen also mit ihrem schönen Gesang an. Ein Pärchen findet so zueinander, es wird Vogelhochzeit gefeiert, Männchen und Weibchen paaren sich“, sagt Ingrid Hoffmann. Je nach Vogelart, baut dann meist das Weibchen das Nest: aus Stöckchen, Moos, Federn oder Halmen. Manche Vögel wie die Lerche bauen ihre Nester auf dem Boden, andere, zum Beispiel die Amseln, in Hecken, während Meisen Nistkästen oder Baumhöhlen bevorzugen.
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Bei dem Piepts ’S: Ein Rotkehlchen beim Singen. Foto: Ingrid Hoffmann.
Beim Brüten herrscht dann „Elternteilzeit“. Beide – Vogelpapa und Vogelmama – wechseln sich beim Eierwärmen ab. Schlüpfen dann nach durchschnittlich 12 bis 14 Tagen vier oder mehr Vogelkinder, kümmern sich ebenfalls beide Elternteile um die Jungen. „Abwechselnd bleibt einer im Nest, der andere sucht Futter“, weiß die Vogelkundlerin. Allerdings nur, solange die Jungen noch nackt sind. Nach sieben bis acht Tagen müssen dann beide Elternteile raus, sonst schaffen sie es nicht, die hungrigen Schnäbel zu stopfen.
Im wahrsten Sinne des Wortes heißt es aber für das Tier, das bei den jungen Piepmätzen bleibt: „Schnabel halten“. Nicht etwa, weil es bei den anderen Vögeln nichts zu melden hat, sondern als Vorsichtsmaßnahme: sonst würden Feinde auf den Brutplatz aufmerksam gemacht werden.
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Wir haben Hunger: Die Vogelküken warten auf ihre Eltern, die sie füttern. Foto: pixelio.de.
Jede Vogelart hat übrigens andere Aufwachzeiten. Vogelforscher haben festgestellt, dass man den Wecker danach stellen kann, in welcher Reihenfolge sie anfangen zu tirilieren. „Ein absoluter Frühaufsteher ist der Hausrotschwanz“, erklärt Ingrid Hoffmann. Er trällert bereits eineinhalb Stunden vor der Morgendämmerung in den Nachthimmel. Wenige Minuten später klingelt der Wecker bei Familie Feldlerche. Und auch Amsel, Zaunkönig und Rotkehlchen werden nun fit. Eine knappe Stunde vor Sonnenaufgang beginnt der Kuckuck sein Morgenkonzert. Im 10-Minu-ten-Takt stimmen danach zuerst Zilpzalp, dann Buchfink und Haussperling mit ein. Zu den Morgenmuffeln, die erst kurz vor Sonnenaufgang aus den Federn kommen, gehören Spatzen, Spechte, Grünfinken und Stare. Irgendwann sind alle Vöglein da...
Bis zum Abend hört man sie zwitschern. Dann werden die Ersten auch die Letzten sein: Die Piepmätze, die morgens als erste angefangen haben zu singen, sind auch die, die am längsten wach sind.