Maulwurf: Tierischer Gärtner buddelt mit Minibagger
Derzeit ärgern sich viele Gartenbesitzer über Maulwurfshügel - das Kinder-Echo hat sich mal schlau gemacht und herausgefunden, was das für ein Tier ist und wie es lebt
Er ist einer der besten Tunnelbauer und hat wahrlich auch ein Händchen für den Garten, wenn man das so sagen kann. Er besitzt eine Patentschaufel, wie sie ein Gärtner erst mal suchen muss und mit der er wie ein kleiner Minibagger handwerkeln kann: Die Innenflächen seiner Hände gehen nach außen, an den fünf Zehen hat er lange, scharfe Krallen, und der Hautlappen zwischen Daumen und einem Knorpel verbreitert die Schippe noch. Na, von wem ist hier die Rede? Vom Maulwurf!
Einen Maulwurf werdet ihr nicht allzu oft zu Gesicht bekommen, weil das Tier meist unterirdisch arbeitet. Sichtbar ist an der Erdoberfläche aber das Ergebnis seiner ,,Fleißarbeit": die allseits so wenig beliebten Maulwurfshügel.
Das Kinder-Echo hat vor einigen Jahren mal einen kleinen Maulwurf beim Wühlen in der Erde beobachtet, als er in Windeseile einen kleinen Erdhaufen neben den gepflanzten Blumen im Darmstädter Vivarium aufgeschaufelt hat. Das war am helllichten Tag - der Untergrund-Bewohner schien sich in der Zeit vertan zu haben. An die Erdoberfläche kommen Maulwürfe nämlich eigentlich nur, wenn sie durch Nahrungsknappheit oder große Trockenheit dazu gezwungen werden - und dann grundsätzlich nachts. ,,Wobei sie nicht nur nachtaktiv sind, sondern auch tagsüber graben - dann allerdings meist unter der Erde", erklärt der Diplom-Biologe und Schädlingsbekämpfer Björn Kleinlogel aus Darmstadt. Normalerweise leben die Tiere nach einer eigenen ,,inneren Uhr". Sie graben drei bis vier Stunden lang, ruhen danach aus und inspizieren immer wieder alle ihre bereits angelegten Gänge, die 50 bis 200 Meter lang werden können", sagt Kleinlogel.
In diesen Gängen treffen die Tiere immer wieder auf frische Beute, die in der Zwischenzeit dort eingedrungen ist. ,,Das Gangsystem dient vor allem der Jagd, zum Beispiel nach Regenwürmern", erklärt Björn Kleinlogel.Als Wintervorrat werden übrigens vor allem Regenwürmer gefangen - manchmal Hunderte. Ihr vorderes Ende wird abgebissen, damit sie nicht fortkriechen, aber trotzdem überleben können. In kleinen Vorratskammern werden sie gesammelt. Stellt euch mal vor: In einem Bau können bis zu 10 Speisekammern vorhanden sein, in denen der Maulwurf insgesamt oft mehr als zwei Kilogramm Nahrung lagert. Ein besonders großer Maulwurfshaufen, auch Burg genannt, gibt einen Hinweis auf das darunter liegende Winternest.
Der Maulwurf ist ein Einzelgänger und wohnt in der Regel alleine in seinem Bau. Sein Revier verteidigt er gegen Rivalen. Um Kämpfe zu vermeiden, gehen sich die Tiere meistens aus dem Weg. Kommt es doch mal zu einem Kampf, wird der unterlegene Maulwurf häufig vom Sieger verspeist.Die Lebensdauer von Maulwürfen liegt bei 2 bis 3 Jahren. Sie haben nur wenige natürliche Feinde unter der Erde; über der Erde sind es vor allem Greifvögel, Füchse, Marder und Dachse. Hochwasser können die Maulwurfbestände vernichten. In Gefangenschaft überleben Maulwürfe nicht, da durch ihren schnellen Stoffwechsel der Käfigboden binnen 24 Stunden verseucht ist.
Viele Menschen ärgern sich über die Maulwurfshügel. Sie zu zertreten bringt aber auch nicht viel: Dann beginnt der Baumeister mit der Reparatur des Schadens und lässt bei der Gelegenheit neue Haufen entstehen. Im Übrigen steht der Maulwurf unter Naturschutz und man darf ihn gar nicht verjagen. Es bringt auch nicht viel: In den kurzzeitig leeren Bau zieht nämlich schnell ein anderer Maulwurf ein.
Björn Kleinlogel erinnert sich an eine Frau, die ihren großen Garten mit einem kleinen Traktor mähte und sich darüber beklagte, dass jedes Mal am Tag darauf viele neue Maulwurfshügel auf dem frisch gemähten Rasen zu sehen waren. Der Schädlingsbekämpfer sagt schmunzelnd: ,,Es ist nicht nur so, dass sich die Frau über die Maulwurfshügel ärgert, sondern auch der Maulwurf ärgert sich, dass durch das Rasenmähen sein Gangsystem verschüttet wird."
Was rät er Maulwurfshügel-geschädigten Gartenbesitzern? Kleinlogel: ,,Haufen überirdisch verteilen, damit sie nicht so auffällig sind." Ziehen immer wieder neue Maulwürfe in einen Garten ein, könnte es außerdem sinnvoll sein, am Zaun entlang ein rund 80 Zentimeter tiefes Fundament aus Blech oder ähnlich festem in den Boden zu graben.



