Riesenschildkröte: Vom Tennisball zum Koloss
Könnt ihr euch vorstellen, dass ein 213 Kilogramm schwerer Koloss wie Riesenschildkröte Adam mal in ein Ei von der Größe eines Tennisballs gepasst hat? Glaubt ihr nicht? Ist aber so! Denn wenn Riesenschildkröten auf die Welt kommen, sind sie ungefähr 10 Zentimeter groß und wiegen nicht mal so viel wie eine Tafel Schokolade: Die Aldabra-Schildkröten bringen etwa 30 Gramm auf die Waage, Galapagos-Schildkröten sollen etwa doppelt so schwer zur Welt kommen. Das Gewicht variiert aber auch stark nach den einzelnen Inseln, auf denen die Schildkröten-Unterarten leben. Ob in einem Gelege hauptsächlich weibliche oder männliche Junge schlüpfen, hat die Schildkrötenmutter bereits mit der Auswahl des Ortes festgelegt, an dem sie die Nisthöhle gegraben hat. Ist die Bodentemperatur sehr warm, ,,kommen - wie bei allen Reptilien - mehr Weibchen auf die Welt, ist der Boden kühler, mehr männliche Tiere", sagt Becker. Das Weibchen wandert in der Trockenzeit zur Eiablage in wärmere Küstengebiete und beginnt ein Loch zu graben. ,,Was genau die Schildkröten als geeignet für ihre Eiablage halten, weiß man gar nicht so genau", erzählt Tierarzt Becker. Deshalb ist es erst im Jahr 1976 dem Zoo von Sydney weltweit erstmalig gelungen, Riesenschildkröten im Zoo nachzuzüchten. In Europa hat bislang nur der Zoo in Zürich erfolgreich Galapagos-Riesenschildkröten nachgezüchtet.Ist das Loch rund 25 Zentimeter tief - also so tief wie die Riesenschildkröten-Beine lang sind - beginnt das Weibchen mit der Eiablage. Dabei fängt die Schildkrötenmutter die hartschaligen, weißen Eier mit den hinteren Beinen auf und legt sie vorsichtig ab. Während der Eiablage gibt das Weibchen Urin ab, der die Wände und den Erddeckel, den es über das Gelege wirft, aushärtet und vor Nesträubern wie dem Palmendieb, einer Krebsart, dem Galapagos-Bussard oder den auf die Inseln eingeschleppten Katzen und Ratten schützen soll. Danach kehrt das Schildkrötenweibchen ins Landesinnere zurück. Das Gelege, bei den Galapagos-Schildkröten sind das zwischen 4 und 17 Eier und bei den Seychellen-Schildkröten zwischen 5 und 25 Eier, und später die jungen Schildkröten sind sich selbst überlassen. Setzt die Regenzeit ein, buddeln sich die Schlüpflinge aus der Erde heraus. Zu diesem Zeitpunkt sind sie bereits vier Wochen alt. Denn frisch geschlüpft verbleiben die Kleinen noch einige Zeit in der Nisthöhle und ernähren sich von dem Dottersack, der am Bauchpanzer verwachsen ist. Sind sie dann erst einmal draußen, lauern viele Gefahren auf die Baby-Schildkröten: Neben den erwähnten Fressfeinden auch zu große Trockenheit und Hitze oder Fallen wie Felsspalten auf dem unwegsamen Gelände, in dem sie nun zu Hause sind.Gut versteckt müssen die Babys wachsen, und zwar sehr, sehr lange. Wie groß sie letztlich werden, hängt vom Nahrungsangebot ab. Deshalb werden Schildkröten im Zoo oft größer. Schnell wachsen Riesenschildkröten in den ersten 40 Lebensjahren. Danach wachsen sie zwar noch immer weiter, aber viel langsamer. Frühestens mit 20 Jahren werden Riesenschildkröten geschlechtsreif. In diesem Alter setzt der Paarungstrieb ein. Bei den Galapagos-Schildkröten ist das meistens in der Zeit zwischen Dezember und August, bei den Seychellen- oder Aldabra-Schildkröten zwischen Oktober und April. Dann gibt es viel Tumult bei den sonst so ruhigen Tieren. Besonders die Galapagos-Schildkrötenmännchen stoßen bei der Paarung heisere Laute aus, die kilometerweit zu hören sind..
Der Paarung folgt eine acht Monate dauernde Schwangerschaft. Dann machen sich die Weibchen wieder auf den Weg in Richtung Küste, um dort im Boden ihre Eier abzulegen, aus denen dann erneut kleine Baby-Schildkröten schlüpfen.


