11. März 2009 | Von Andrea Stütz

Der Waschbär

Tiere in unseren Wäldern (Teil 14 und Schluss)

kanadischer Waschbär
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Auf der Suche nach leckerem Fisch ist dieser kanadische Waschbär gerade. Foto: Dirk Henninger
Für manche ist er ein possierliches Plüschtier, für andere eine penetrante Plage: der Waschbär. „An kaum einem Tier scheiden sich die Geister so sehr wie am Waschbären“, sagt Peter Fischer, der Darmstädter Waldpädagoge. Das hat Gründe.

Einerseits sieht so ein Waschbär – auch Schupp genannt – wirklich niedlich aus mit seiner typischen schwarzen Gesichtsmaske. Durch die weiße Umrandung hebt sie sich noch stärker hervor. Auch die Ohren eines Waschbären haben einen weißen Fellrand. Sonst ist der Balg (Fell) des Waschbären braun bis grau. Auffällig bei Waschbären ist auch der lange, buschige und schwarz geringelte Schwanz.

Was den kleinen Bären aber besonders liebenswert für viele macht, ist sein typisches Verhalten: Mit seinen fünffingrigen scharzen Händen, die fast „wie eine kleine Kinderhand ausschauen, muss er einfach alles angrabschen und befühlen“, beschreibt Fischer.

 
Waschbärpfote
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EINE WASCHBÄRPFOTE sieht fast wie eine kleine Menschenhand aus. (Foto: © Gaby Müller/wikipedia.de)
Für einen echten Bären ist der Waschbär recht klein: Er wird mit 40 bis 70 Zentimeter Körperlänge und knapp 30 Zentimeter Schulterhöhe zwar größer als eine Katze, aber bleibt kleiner als ein Fuchs. Deshalb gehören Waschbären zur Familie der Kleinbären.

Doch selbst wenn er nicht allzu groß wird, bringt das Pelztier bis zu stolze 14 Kilogramm auf die Waage. Entsprechend wirkt der Körper eines Waschbären gedrungen, und die zierlichen Beinchen passen gar nicht richtig dazu.

Wegen seines kompakten Körperbaus ist der Schupp kein guter Sprinter. Dafür kann er umso besser schwimmen und klettern. Sehr zum Ärger mancher Hausbesitzer. Denn ohne Probleme finden Waschbären heraus, wie sie Dachziegel auf Häusern lösen können und ziehen in den Dachboden ein. Mit ein bisschen Übung bekommen die dreisten Tiere genauso schnell heraus, wie Klinken zu bedienen oder Dachfenster aufzuschieben sind.

 
Waschbär auf dem Dach
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KARLSSON AUF DEM DACH kennt fast jeder. Doch hier heißt es ,,Waschbär auf dem Dach". (Foto: ©C. Volkwein/wikipedia.de)
Bei uns in der Region kommt es zwar nicht häufig vor, dass die Panzerknacker vom Wald ins Stadtgebiet ziehen und in Häuser einbrechen, „auch wenn es um Darmstadt herum Waschbären gibt“, wie Peter Fischer erzählt. „Schon vor 20 Jahren waren die auf dem Prinzenberg in Eberstadt zu Hause.“

Viele Leute, die in Kassel leben, freuen sich gar nicht über die Nachbarschaft der frechen Bären. Sie sind genervt davon, dass die kleinen Räuber ihre Obstbäume kahlfressen, Mülltonnen umschmeißen und den Inhalt rausklauben, dass sie Dämmungen wegreißen, Isolierungen durchbeißen und Ziegel runterschmeißen – und so hohe Reperaturkosten verursachen.

Wie viele Bären es genau gibt, kann keiner sagen. Einige Schätzungen gehen von 100 000 Tieren in Deutschland aus, andere Experten halten es für möglich, dass es inzwischen mehr als 500 000 Bären gibt! Sie zu zählen, ist schwierig, denn man muss schon ein wenig Glück haben, um Waschbären zu treffen. Die Tiere sind dämmerungs- und nachtaktiv und schlafen tagsüber in Baumhöhlen, Holzstapeln, Felsspalten, Dachbauten oder eben Dachböden, Garagen und Kanalisationsröhren.

Solltet ihr mal einen sehen, werdet ihr schnell merken, dass der Schupp überhaupt nicht scheu ist. Im Gegenteil, wer ihn füttert, braucht sich nicht zu wundern, wenn er bald aufdringlich wird.

 
Waschbär
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DIE SCHWARZE MASKE verleiht dem Waschbären ein unverwechselbares Aussehen. (Foto: © Stuelpner/pixelio.de)
Bei den Waschbären in Westdeutschland, die sich vom Edersee aus verbreitet haben, ist aber Vorsicht geboten: An die 80 Prozent von ihnen sind mit dem Waschbärspulwurm infiziert. Dieser wird vor allem durch den Kot der Tiere übertragen – weshalb Hausbesitzer, die einen solchen pelzigen Untermieter haben, sein stilles Örtchen regelmäßig sauber machen sollten. Meistens passiert Menschen zwar nichts, selbst bei einer Übertragung, in seltenen Fällen kann man aber von den Würmern krank werden. Gefährdet sind besonders Kleinkinder!

Interessant ist, dass die Bären, die in Berlin und Brandenburg leben, keine Waschbärenspulwürmer haben. Das zeigt, dass diese Bären sich noch nicht mit den westdeutschen Bären durchmischt haben. Das ist aber wohl nur eine Frage der Zeit… Waschbären sind nämlich gesellige Tiere. Männchen schließen sich gerne in Dreier- oder Vierergangs zusammen, um sich besser verteidigen zu können. Weibchen teilen sich häufig ein Revier, meiden aber solange sie Junge haben, die männlichen Waschbären, weil diese sich gegenüber den Jungen, die nicht ihre eigenen sind, aggressiv verhalten. Nach ihren Streifzügen durchs Revier treffen sich die Waschbärweibchen an zentralen Futter- und Schlafstätten oder zum Spielen.

Beim Spielen stoßen Waschbären quengelnde Geräusche aus oder das waschbärtypische „Schmirken“, ein keckernder, quietschender Schnatterlaut. Manchmal knurren oder kreischen Waschbären auch – wenn sie kämpfen oder aggressiv sind. Hört ihr einen Waschbären fiepen, ist das ein Zeichen für Stress. In diesen beiden Fällen lasst ihr den Waschbären am besten in Ruhe.

 



Inhalt der Februarausgabe:
  • Februar ist Fasnachtszeit: In der neuen Ausgabe erfahrt ihr Wissenswertes rund um den Fastnachtsbrauch .
  • Außerdem starten wir mit einer neuen Serie:"Seltene Tiere im Wald". Als erstes Tier dieser Reihe stellen wir euch den Wolf vor.
  • Ferner haben wir Zwillinge gefragen, wie es wohl so ist, am 29. Februar Geburtstag zu haben.
  • Und Kinder-Echo-Leser Daniel Worringer erklärt Euch sein Hobby: Tennis.
  • Wie immer - Bücher, CD's und ein Preisrätsel.

Viel Spaß beim Durchforsten der Ausgabe und dem Entdecken noch vieler anderer Themen wünscht euch das Kinder-Echo-Team!

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Ihr schickt uns Monat für Monat Hunderte von tollen selbstgemalten Bildern mit dem Lösungswort des Preisrätsels. Leider können wir aus Platzgründen immer nur einige abdrucken. Doch wozu gibt es das Internet? Klickt einfach in die Bildergalerie.
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