Der Waschbär
Tiere in unseren Wäldern (Teil 14 und Schluss)
Einerseits sieht so ein Waschbär – auch Schupp genannt – wirklich niedlich aus mit seiner typischen schwarzen Gesichtsmaske. Durch die weiße Umrandung hebt sie sich noch stärker hervor. Auch die Ohren eines Waschbären haben einen weißen Fellrand. Sonst ist der Balg (Fell) des Waschbären braun bis grau. Auffällig bei Waschbären ist auch der lange, buschige und schwarz geringelte Schwanz.
Was den kleinen Bären aber besonders liebenswert für viele macht, ist sein typisches Verhalten: Mit seinen fünffingrigen scharzen Händen, die fast „wie eine kleine Kinderhand ausschauen, muss er einfach alles angrabschen und befühlen“, beschreibt Fischer.
Doch selbst wenn er nicht allzu groß wird, bringt das Pelztier bis zu stolze 14 Kilogramm auf die Waage. Entsprechend wirkt der Körper eines Waschbären gedrungen, und die zierlichen Beinchen passen gar nicht richtig dazu.
Wegen seines kompakten Körperbaus ist der Schupp kein guter Sprinter. Dafür kann er umso besser schwimmen und klettern. Sehr zum Ärger mancher Hausbesitzer. Denn ohne Probleme finden Waschbären heraus, wie sie Dachziegel auf Häusern lösen können und ziehen in den Dachboden ein. Mit ein bisschen Übung bekommen die dreisten Tiere genauso schnell heraus, wie Klinken zu bedienen oder Dachfenster aufzuschieben sind.
Viele Leute, die in Kassel leben, freuen sich gar nicht über die Nachbarschaft der frechen Bären. Sie sind genervt davon, dass die kleinen Räuber ihre Obstbäume kahlfressen, Mülltonnen umschmeißen und den Inhalt rausklauben, dass sie Dämmungen wegreißen, Isolierungen durchbeißen und Ziegel runterschmeißen – und so hohe Reperaturkosten verursachen.
Wie viele Bären es genau gibt, kann keiner sagen. Einige Schätzungen gehen von 100 000 Tieren in Deutschland aus, andere Experten halten es für möglich, dass es inzwischen mehr als 500 000 Bären gibt! Sie zu zählen, ist schwierig, denn man muss schon ein wenig Glück haben, um Waschbären zu treffen. Die Tiere sind dämmerungs- und nachtaktiv und schlafen tagsüber in Baumhöhlen, Holzstapeln, Felsspalten, Dachbauten oder eben Dachböden, Garagen und Kanalisationsröhren.
Solltet ihr mal einen sehen, werdet ihr schnell merken, dass der Schupp überhaupt nicht scheu ist. Im Gegenteil, wer ihn füttert, braucht sich nicht zu wundern, wenn er bald aufdringlich wird.
Interessant ist, dass die Bären, die in Berlin und Brandenburg leben, keine Waschbärenspulwürmer haben. Das zeigt, dass diese Bären sich noch nicht mit den westdeutschen Bären durchmischt haben. Das ist aber wohl nur eine Frage der Zeit… Waschbären sind nämlich gesellige Tiere. Männchen schließen sich gerne in Dreier- oder Vierergangs zusammen, um sich besser verteidigen zu können. Weibchen teilen sich häufig ein Revier, meiden aber solange sie Junge haben, die männlichen Waschbären, weil diese sich gegenüber den Jungen, die nicht ihre eigenen sind, aggressiv verhalten. Nach ihren Streifzügen durchs Revier treffen sich die Waschbärweibchen an zentralen Futter- und Schlafstätten oder zum Spielen.
Beim Spielen stoßen Waschbären quengelnde Geräusche aus oder das waschbärtypische „Schmirken“, ein keckernder, quietschender Schnatterlaut. Manchmal knurren oder kreischen Waschbären auch – wenn sie kämpfen oder aggressiv sind. Hört ihr einen Waschbären fiepen, ist das ein Zeichen für Stress. In diesen beiden Fällen lasst ihr den Waschbären am besten in Ruhe.





