16. Dezember 2009 | Von Christina Kolb

Der Pinguin

Exotische Tiere: Teil 9

Kaiserpinguinen
Vergrößern  |
Tausende von Kaiserpinguinen wandern kilometerweie Strecken im eiskalten Winter zu den Brutplätzen in der Antarktis. Über Schnee und Eis rodeln, watscheln oder schlittern sie. Foto: privat

 

Der kleine Mann steht majestätisch aufrecht und guckt sich nach allen Seiten um. Er hat einen langen schwarzen Frack an, sein Bauch ist weiß. Im Watschelgang setzt er sich in Bewegung. Plötzlich nimmt er Anlauf und schlittert bäuchlings daher. Ein komischer Vogel ist das - noch dazu einer, der nicht fliegen kann. Seine Flügel sind zu Flossen umgewandelt, daher ist er ein hervorragender Schwimmer.

Frack, weißer Bauch, Watschelgang - die Rede ist von den stets komisch und ulkig wirkenden Pinguinen. Das Kinder-Echo hat sich mit einem Experten für diese Tiere getroffen: mit dem Biologen Rudolf Wicker, Kurator und stellvertretender Direktor des Frankfurter Zoos.

 
Vergrößern  |
5 BIS 6 WOCHEN nach dem Schlüpfen verlassen die Pinguinbabys erstmals die Brutfalte. Ab jetzt gehen sie in den Kindergarten. Foto: ©Paria H083/Pixelio
Es gibt insgesamt 17 Pinguinarten. Die euch wahrscheinlich bekanntesten sind die Kaiser-, Königs- und die Eselspinguine. Eselspinguine könnt ihr beispielsweise im Frankfurter Zoo anschauen.

Als der Zoobiologe dem Kinder-Echo zum Fotografieren das Gehege der Eselspinguine öffnet, kommen die Tiere gleich hastig angewatschelt, recken neugierig ihre Köpfe und fangen an zu ,,trompeten" - sie stoßen Laute aus, die sich wie ein trompetenartiges Hupen anhören. ,,Durch diese Töne wollen sie einfach untereinander mitteilen, dass etwas neu oder anders ist - in diesem Fall die Frau mit dem Fotoapparat", erklärt Rudolf Wicker.

Die Verständigung durch gewisse Töne ist vor allem in freier Natur sehr wichtig für die Vögel, denn dadurch nehmen sie Kontakt zu ihren Brutpartnern auf. Zum Beispiel die Kaiserpinguine: Sie leben in Kolonien in der Antarktis im Wasser der kalten Meere, sind ausgezeichnete Schwimmer und gute Taucher und mit bis zu 1,30 Meter die größten ihrer Art. Im Unterschied zu den meisten anderen Pinguinarten brüten sie nicht im milderen antarktischen Sommer, sondern ausgerechnet mitten im eiskalten Winter. Da können die Temperaturen auf 40 Grad unter Null und kälter fallen.

Die Kaiserpinguine haben teils viele Kilometer lange Märsche auf dem Meereis - auch Packeis genannt - hinter sich. Entweder sie watscheln relativ langsam in ihrer berühmten Gangart durch die Eiseskälte, oder sie sind sehr schnell unterwegs, indem sie auf Eis und Schnee auf dem Bauch über weite Strecken bergab rodeln.

 
Pinguin-Kindergarten
Vergrößern  |
In den Kindergarten gehen junge Pinguine, während die Eltern ihrer Arbeit nachgehen und Nahrung suchen. Zum Füttern kommen Mama und Papa immer vorbei. Foto: privat
Am Brutplatz angekommen, geben die Männchen eine Reihe von trompetenartigen Lauten von sich. ,,Diese Rufe dienen hauptsächlich dazu, den Partner vom Vorjahr wieder zu erkennen beziehungsweise bei Erstbrütern einen Partner zu finden", sagt der Pinguin-Experte. Hat ein Weibchen seine Entscheidung getroffen, stellt es sich vor ihren auserwählten Partner und fordert ihn auf, mit ihr eine Reihe von Rufen auszustoßen. Manchmal klingt das wie ein gegenseitiges Anschreien. ,,Das ist vor allem deshalb wichtig, damit sich die Partner die akustischen Besonderheiten ihrer Laute einprägen und sich nach der Eiablage, nach dem Brüten und auch im folgenden Jahr wiederfinden", erklärt Wicker. Denn ihr müsst euch vorstellen: Die Pinguine kommen zu Tausenden zu den Brutkolonien, ein Pinguin sieht aus wie der andere, und die Tiere können sich ja nicht wie wir Menschen an einem bestimmten Treffpunkt verabreden. Also verständigen sie sich mithilfe ihrer Rufe. Jeder Pinguinruf ist so einzigartig wie der individuelle Fingerabdruck bei uns Menschen .

 
Heranwachsende Pinguine
Vergrößern  |
Hurra, wir werden selbstständig: Heranwachsende Pinguine tragen ein braunes, flauschiges Kinderkleid. Foto: privat
,,Verstehen" sich Pinguinmann und -frau gut, läuft das Männchen hinter seiner Auserkorenen her. Irgendwann bleiben beide stehen, stellen sich Auge in Auge voreinander, verbeugen sich mehrfach, indem sie ihre Köpfe senken und paaren sich schließlich.

Es dauert viele Tage, bis sich beim Weibchen das Ei samt Schale entwickelt und sie es schließlich legt. ,,Das Männchen bleibt während dieser Zeit bei ihr in der Kolonie", erklärt Wicker. Nachdem das Weibchen das Ei gelegt und dabei viel Energie verbraucht hat, muss sie nach wochenlangem Fasten baldmöglichst zum Futtern ins Meer zurückkehren. Auf ihrem Speiseplan stehen Fische wie Sardellen oder Sardinen und Krebse wie Krill oder kleine Tintenfische. Die großen Kaiserpinguine können bei einem Beutezug bis zu zehn Kilogramm Fisch verspeisen.

Und wer brütet dann das Ei aus, wenn Mama Pinguin auf kulinarischem Beutezug ist? ,,Brüten ist bei den Kaiserpinguinen reine Männersache", weiß Biologe Wicker. Das Weibchen legt das Ei auf dem Eis ab und übergibt es in die Obhut ,,ihres" Mannes. Der rollt das kostbare Stück dann vorsichtig auf seine Füße und deckt es mit seiner Bauchfalte wie mit einem Kaffeewärmer zu. Die Übergabe muss schnell gehen, denn auf dem frostigen Eis kühlt das Ei sehr schnell aus und erfriert.

Manchmal warten Eierdiebe auf diesen günstigen Zeitpunkt, um das Ei zu stehlen. Eierdiebe sind Raubmöwen oder Pinguine, die nicht brüten, aber dennoch in der Kolonie bleiben. Meist vernachlässigt solch ein ,,Adoptiv"-vater dann aber das ,,entführte" Ei und lässt es nach einigen Tagen auf dem kalten Eis liegen - das Küken erfriert.

Geht alles gut, brütet der leibliche Pinguin-Papa das Ei in seiner Brutfalte mehr als 60 Tage lang aus. In dieser Zeit sind die Männchen ganz allein auf sich gestellt - die Weibchen sagen erst mal für zwei Monate ,,Tschüß" zu ihren Partnern. Zur Festigung der Bindung und damit sie sich auch nach dieser Zeit wiedererkennen, schreien sie sich vor der Verabschiedung mit ihren individuellen Lauten noch mal richtig an.

Nun bauen die Frauen ihre ausgezehrten Körperkräfte wieder auf und jagen im Meer ausgiebig nach Fischen und Krill, um dann später bei der Brutpflege genug Speck auf den Rippen zu haben. Anschließend sammeln sie auch die erste Mahlzeit für ihren Nachwuchs.

Die Männchen halten derweil beim Brüten starken Winden und Stürmen, die über die Eiswüste fegen und Temperaturen von bis zu -40 Grad stand. Aber selbst ist der Mann: Alle werdenden Papas - das können Hunderte oder Tausende Tiere in einer Kolonie sein - rücken zu einem Haufen zusammen und trotzen gemeinsam Wind und Wetter, um nicht auszukühlen. Dabei stellen sich immer einige Pinguine in die Mitte eines großen Pulks, um sich aufzuwärmen. Danach wandern sie langsam in spiralenförmigen Bahnen nach außen. Die ,,Außenseiter" sind am stärksten den eisigen Winden ausgesetzt. Nach einiger Zeit dürfen sie zum Aufwärmen wieder direkt in die Mitte des Kreises. Immer tragen sie dabei das kostbare Ei auf ihren Füßen mit sich herum.

Fotogalerie

 

,,Nach 62 bis 66 Tagen schlüpfen die Küken", so Wicker. Wenige Stunden nach der Geburt öffnen die Kleinen ihre Augen und heben ihr Köpfchen. Putzig spitzen die jungen Kaiser mit ihrem grauen kuscheligen Flaum, ihren schwarzen Köpfchen und dem weißen Ring unter den Augen aus der warmen Brutfalte heraus. Ist das Weibchen unpünktlich und noch nicht zur Kolonie zurückgekehrt, wird das Küken von seinem halb verhungerten Papa mit der ersten Mahlzeit gefüttert: einem ausgewürgten eiweiß- und fetthaltigen Magensekret.

Danach heißt es: Warten, bis die Mama vom Meer in die Brutkolonie zurückkehrt. Durch die schrillen Rufe finden sich die Elternpaare wieder. ,,Mit rund 3 Kilogramm vorverdautem Fisch im Kropf des Weibchens bekommt der Nachwuchs nun seine erste richtige Mahlzeit", erklärt Rudolf Wicker. Pinguine können die Verdauung nämlich so lange unterdrücken, bis sie den Mageninhalt als Futter wieder herausgewürgt haben. Die Partner prägen sich ihre gegenseitigen Laute erneut ein und nun verabschieden sich die ausgehungerten Männchen, die mehr als 4 Monate lang nichts gefressen haben, um ihre leeren Mägen im Meer aufzufüllen. Immerhin haben die zuvor etwa 40 Kilogramm schweren Männchen in der Brutphase rund die Hälfte ihres ursprünglichen Gewichts verloren. Nach knapp drei Wochen kehren sie dann zurück zu ihren Familien - und ab jetzt teilen sich die Eltern die Aufzucht ihres Nachwuchses.

5 bis 6 Wochen nach dem Schlüpfen können die kleinen Pinguinbabys ihre Körpertemperatur regulieren und verlassen die Brutfalte - sie sind mittlerweile auch schon zu groß geworden. Statt ihres silbergrauen Babykleids, das nicht isoliert hat, tragen sie nun ein braunes, flauschiges Kinderkleid.

 
Pinguin-Eltern
Vergrößern  |
Guckuck, hier bin ich: Die Eltern des kleinen Kaisers neigen sich zu ihrem Nachwuchs herunter. Foto: privat
Wusstet ihr, dass Pinguinküken in den ,,Kindergarten" gehen? ,,So können nun beide Eltern ihrer Arbeit - der Nahrungssuche - nachgehen", erklärt Biologe Rudolf Wicker. Gespielt wird da natürlich nicht wie bei uns im Kindergarten. Alle Küken drängen sich vielmehr in einem Kreis eng aneinander und wärmen sich gegenseitig. Die Eltern bringen regelmäßig Nahrung vorbei. Weil sie jedoch den langen Weg zum Meer und zurück zu Fuß watscheln müssen, liegen zwischen den einzelnen Fütterungen der Jungtiere schon mal 3 bis 4 Tage. Auch die Kleinen werden von ihren Eltern mit ihren Lauten ,,gerufen". Da die Küken erst noch lernen müssen, Rufe zielsicher zu unterscheiden, kommt es häufig vor, dass sie beim falschen Pinguin um Futter betteln. Meistens bekommt der Knirps dann jedoch einen Flossen- oder Schnabelhieb vom vermeintlichen Elternteil.

Wenn der antarktische Sommer kommt, bricht das Packeis auf und die Wege zwischen Brutplatz und Nahrungsquelle werden kürzer. Die Küken werden nun täglich gefüttert, bis sie flügge werden. Anfang November verlieren sie ihr braunes Kinderkleid und bekommen das Jugendgefieder. ,,Sie können nämlich erst schwimmen, sobald sich wasserdichte Federn unter ihrem braunen Gefieder gebildet haben", erklärt Biologe Rudolf Wicker.

Die Brutkolonie löst sich jetzt langsam auf, alle kehren ins Meer zurück um sich satt zu fressen. Und im nächsten Jahr finden sich die Pinguinpaare aufgrund ihrer Laute wirklich wieder? Ja, Forscher haben herausgefunden, dass das problemlos funktioniert! Ein Humboldtpinguinmännchen, das sich zwei Jahre lang im Zoo von Lima von den Folgen eines Unfalls auf einer peruanischen Küstenstraße erholte, fand tatsächlich nach der Auswilderung in der Kolonie seine frühere Partnerin wieder und zog mit ihr erneut ein Küken auf.

Die kleinen Kaiserpinguine sorgen von nun an im Meer selbst für ihren Lebensunterhalt. Sie verlassen die Kolonie schon, wenn sie erst 15 kg und damit nur halb so schwer wie die Erwachsenen sind. Bei allen anderen Pinguinarten werden die Jungen so lange gefüttert, bis sie fast größer und schwerer als die Erwachsenen sind.

Warum die Kaiserpinguine im Gegensatz zu den anderen Arten ihr Elternhaus so früh verlassen? Das liegt vielleicht daran, dass die Jungen im antarktischen Frühjahr im Meer ein hervorragendes Frühlingsbuffet bekommen und sich in wenigen Wochen selbst das nötige Gewicht anfressen können. Jahre später kehren viele an ihren Geburtsort zurück und brüten dann das erste Mal selbst.

Pinguine können ein Alter von mehr als 25 Jahren erreichen.

 



Inhalt der Maiausgabe:
  • Tierserie: Der Bär .
  • Berufsserie: Was macht eigentlich ein Staatsanwalt?
  • Energie: Wie funktioniert eine Kläranlage?
  • Schule: Training mit den Profis von Mainz 05.
  • Hobby: Hockey.
  • Wie immer - Bücher, CD's und ein Preisrätsel.
  • Natürlich gibt es auch in der neuen Ausgabe noch vieles mehr zu entdecken: Rätsel, Gewinnspiele, Tipps und weitere interessante Geschichten und Berichte. Am besten findet ihr es einfach selbst im neuen Kinder-Echo heraus!
Postkarten und Bilder
Ihr schickt uns Monat für Monat Hunderte von tollen selbstgemalten Bildern mit dem Lösungswort des Preisrätsels. Leider können wir aus Platzgründen immer nur einige abdrucken. Doch wozu gibt es das Internet? Klickt einfach in die Bildergalerie.
Entega-Onlinespiele:
Werde Meister der Erinnerung

Das Spiel besteht aus 12 Kartenpaaren, die gemischt und natürlich verdeckt sind. Du solltest nun die richtigen Paare finden. Dazu klickst du immer zwei Kärtchen an. Passen sie nicht zusammen, dann bleiben sie an der Stelle, allerdings umgedreht. Sind es jedoch zwei gleiche Karten, dann bleiben sie aufgedeckt. Ihr könnt das Spiel alleine aber auch zu mehreren spielen. Viel Spaß!
Suchen und Finden
Du suchst einen Artikel oder alles, was es zu einem bestimmten Thema gibt? Dann gebe einfach ein Stichwort ein und klicke "Suchen" an.
Anzeige