Das ist schon irgendwie affig: ein Affe mit eigenem Reisepass. Ein Affe mit eigener Bordkarte. Ein Affe, der einen eigenen Platz in der Economy Class einnimmt. Ein Affe, der sich in der VIP-Lounge aufhält. Der Affe heißt Bili und war bei seinem Flug von Birmingham nach Frankfurt vor drei Jahren erst gute drei Monate alt, zu klein, um – wie für Tiere üblich – alleine im Frachtraum zu fliegen. Um trotzdem mit den anderen Passagieren und seinen Tierpflegern Carsten Knott sowie dessen Frau Andrea reisen zu dürfen, brauchte er in der Tat einen eigenen Reisepass inklusive Name und Foto.
Der Grund seines Umzugs in den Frankfurter Zoo: Er wurde als Baby von seiner Mutter verstoßen und musste mit der Hand aufgezogen werden. Und der Zoo Frankfurt hat als einer der wenigen Tierparks in Europa Erfahrung in der Handaufzucht von Menschenaffen. Als „Bili the Bonobo“ wird er in ganz Deutschland und England berühmt.
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Aber ganz so abwegig ist es vielleicht gar nicht, dass der Affe so menschlich gereist ist: „Der Bonobo gilt neben dem Schimpansen als engster Verwandter des Menschen, sein Erbgut ähnelt dem Unseren bis aufs Haar“, erklärt Biologe Dr. Thomas Wilms, Kurator im Zoo Frankfurt. Das Kinder-Echo hat ihn getroffen und Interessantes über die Menschenaffen, die sogenannten Primaten, erfahren.
„Die Bonobos gehören zur Gattung der Schimpansen und sehen ihnen auch ziemlich ähnlich“, sagt der Biologe. Die Arme und Beine sind allerdings länger und schlanker, und das Gesicht ist im Gegensatz zu dem des Schimpansen dunkler, fast schwarz gefärbt. Sein Kopf ist etwas rundlicher, und viele Tiere tragen einen Mittelscheitel. Auffällig sind auch seine rötlichen Lippen.
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ÄHNLICH WIE SCHIMPANSEN sehen die Bonobos aus. Sie gehören auch zur Gattung der Schimpansen. Foto: Christina Kolb
„Bonobos leben in Gemeinschaften von bis zu 100 Mitgliedern und sind in der Demokratischen Republik Kongo zu Hause“, weiß Thomas Wilms. Anders als bei anderen Affenarten ist der Boss der Bonobos kein Männchen, sondern immer ein Weibchen, also eine „Bossin“! Und unter den Weibchen gibt es nochmals eine Rangfolge. Im Zoo Frankfurt besteht die Gruppe aus 15 Tieren. „Anführerin ist derzeit noch die knapp 60 Jahre alte Margrit, die älteste Bonobo-Dame Europas“, erklärt der Biologe. Bonobos werden normalerweise maximal 50 Jahre alt. Da Margrit also ein Urgestein, jedoch mittlerweile nicht mehr ganz so fit ist, findet in der Gruppe gerade ein Chefwechsel statt.
Egal ob alt oder jung – eine Frau als Chefin ... Wie reagieren die Männchen auf so viel Frauenpower? „Ludwig (27), ein fortpflanzungsfähiger Bonobo-Mann, hat irgendwann Unterstützung von einem weiteren Männchen namens Bondo (18) bekommen, denn die Weibchen haben sich oft wie die Furien auf den armen Ludwig gestürzt und ihn verprügelt“, erzählt Wilms. Warum? Manchmal wurde ums Futter gestritten, manchmal griffen die Frauen den Affenmann auch ohne jeden Grund an.
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Affendame Mixi hat den Biologen und Kurator Thomas Wilms vom Zoo Frankfurt als ihren Schutzvater auserwählt. Foto: Christina Kolb
Während des Kinder-Echo-Besuchs im Zoo gibt es plötzlich heftiges Gekreische im Gehege. Zomi und Kutu, zwei Affendamen, sausen mit Geschrei auf Ludwig zu und ärgern ihn. „Die Bonobos sind richtige Schreihälse“: Thomas Wilms kennt die verschiedenen Geräusche und auch deren Bedeutung. Manche Schreie sind hoch und schrill – dieser Ruf dient oft der Kontaktaufnahme. Andere erinnern an Hundegebell – das stellt eine Warnung dar. Wieder andere Laute können Aufregung oder Zufriedenheit ausdrücken. Ein hechelndes Ein- und Ausatmen bedeutet zum Beispiel so viel wie ein menschliches Lachen.
Als Thomas Wilms vor dem Gehege auf- und abgeht und dem Kinder-Echo dabei vom Leben der Bonobos erzählt, kommt Affendame Mixi neugierig näher, legt ihre Hand an die Glasscheibe und begrüßt den Biologen, der seine Hand von der anderen Seite dagegenhält. „Mixi ist eine junge Bonobo-Frau, die sehr schüchtern war, als sie im vergangenen Jahr zu uns kam, und die mich als ihren Schutzvater auserwählt hat“, erzählt Thomas Wilms. Irgendwie scheint sie ihm noch immer dankbar für seine Zuwendung zu sein, denn immer, wenn sie ihn sieht, kommt sie auf ihn zu.
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Holzwolle ist nicht nur ein gemütliches Bett, sondern dient auch als Gymnastikmatte. Foto: Christina Kolb
Während Mixi eine eher brave junge Dame ist, sitzt vor allem den jüngeren Bonobos oft der Schelm im Nacken. Manchmal beobachten ein paar Affen die Besucher, warten, bis alle nahe um die Glasscheibe stehen, springen auf den oberen Rand der Scheibe und pinkeln von dort durch die Netz-Absperrung auf die Leute. Ihhh!!!!
Auch Harry, ein junger Affenmann, ärgert gerne und oft – vorzugsweise die kleinen Zaungäste: Er tut zunächst so, als ob er keiner Fliege etwas zuleide tun könne, und schaut gelangweilt durch die Gegend. Dann springt er jedoch urplötzlich wie von der Tarantel gestochen mit allen Vieren lautstark und mit voller Wucht gegen die Scheibe, sodass die Kinder sich gewaltig erschrecken – worüber Harry sich tierisch freut!
Es geht aber auch ruhiger: Gerade schleift Kamiti Holzwolle durchs Gehege, springt auf Äste und schmeißt sie von oben runter, Oma Margrit hat sich’s auf ihrem Häufchen Holzwolle gemütlich gemacht und hält ein Nickerchen. Klein-Bili schleppt einen für seine Verhältnisse großen Brokkolikopf durch die Gegend, spielt damit und rollt ihn auf den Boden, Kutu schwingt sich an einem Seil von Ast zu Ast. Der kleine Panisco spielt mit seiner Mama, sie wirft ihn hoch und fängt ihn wieder auf, Panisco zieht dabei die Mundwinkel nach oben – er lacht. Alltag im Affengehege.
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Mampf,das schmeckt! Foto: Christina Kolb
Wie alle Menschenaffen sind die Bonobos tagaktiv, nur zur Mittagszeit rasten sie. Zur Nachtruhe bauen sich in Freiheit lebende Bonobos hoch oben in den Bäumen ein Schlafnest aus Blättern. Im Zoo Frankfurt tragen die Affen – mangels Bäumen und Blättern – Holzwolle nach oben auf die Empore, bevor sie sich bei Eintritt der Dunkelheit dort zur Nachtruhe legen. „Meistens liegen sie eng beieinander“, sagt Wilms.
Vor allem die Beziehungen zwischen den Weibchen einer Gruppe sind sehr eng. Sie pflegen sich gegenseitig das Fell und teilen oft die Nahrung miteinander. Die Männchen hingegen haben wenig Zusammenhalt untereinander, halten aber dafür ihr ganzes Leben lang einen engen Kontakt zu ihrer Mutter aufrecht – sie bleiben im Gegensatz zu den Weibchen dauerhaft in ihrer Geburtsgruppe. Die Töchter verlassen die Gruppe mit etwa 13 Jahren. In diesem Alter können sie selbst Kinder bekommen und schließen sich einer neuen Gruppe an.
Manchmal kommt es vor – wie bei Bili –, dass eine Mutter ihr Kind nicht annimmt. Für diesen Fall ist der Zoo Frankfurt gewappnet: Die Zootierpfleger haben ihre Bonobos als Adoptivmütter trainiert. Bei Bili hat das sehr gut geklappt.
Die Karte zeigt dir, wo das die Demokratische Republik Kongo in Afrika liegt. Du kannst mit den Pfeilen links auf der Karte den Ausschnitt verschieben oder mit dem Plus (+)- und Minuszeichen (-) den Bereich vergrößern beziehungsweise verkleinern. Viel Spaß beim Erkunden!
Februar ist Fasnachtszeit: In der neuen Ausgabe erfahrt ihr Wissenswertes rund um den Fastnachtsbrauch .
Außerdem starten wir mit einer neuen Serie:"Seltene Tiere im Wald". Als erstes Tier dieser Reihe stellen wir euch den Wolf vor.
Ferner haben wir Zwillinge gefragen, wie es wohl so ist, am 29. Februar Geburtstag zu haben.
Und Kinder-Echo-Leser Daniel Worringer erklärt Euch sein Hobby: Tennis.
Wie immer - Bücher, CD's und ein Preisrätsel.
Viel Spaß beim Durchforsten der Ausgabe und dem Entdecken noch vieler anderer Themen wünscht euch das Kinder-Echo-Team!
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wir aus Platzgründen immer nur einige abdrucken.
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Das Spiel besteht aus 12 Kartenpaaren, die gemischt und natürlich verdeckt sind. Du solltest nun die richtigen Paare finden. Dazu klickst du immer zwei Kärtchen an. Passen sie nicht zusammen, dann bleiben sie an der Stelle, allerdings umgedreht. Sind es jedoch zwei gleiche Karten, dann bleiben sie aufgedeckt. Ihr könnt das Spiel alleine aber auch zu mehreren spielen. Viel Spaß!