Die Legende vom Blutdurst
Dass Blut und zappelnde Bewegungen im Wasser die Piranhas gefährlich machen, habt ihr schon erfahren. Es gibt aber noch andere Situationen, in denen Piranhas angreifen: Wenn in der Trockenzeit Flussarme abgeschnitten werden und das Wasser immer weiter verdunstet, suchen die darin lebenden Tiere nach tieferen Stellen im Wasser. Dabei
müssen sie sich immer weniger Platz teilen. Das stresst die Piranhas und macht sie aggressiv. So sehr, dass sie übereinander herfallen. Kommt jetzt auch noch ein Landtier oder ein Mensch auf die Idee, in dieses überfüllte Gewässer zu steigen, greifen die Piranhas sofort an - aus Panik. Aus Berichten über solche seltenen Vorfälle entsteht der Eindruck, dass Piranhas stets sofort angreifen würden.
Die Berichte über ein Bestattungsritual südamerikanischer Ureinwohner tragen ihr Übriges zur Legende vom ,,menschenfressenden Piranha" bei: Die Indianer können ihre Toten nicht einfach in der Erde begraben, da die Gebiete, in denen sie leben, häufig von den Flüssen überschwemmt werden. Die Gefahr, dass das Grundwasser durch die Begrabenen verschmutzt würde, ist zu groß. Deshalb hängen die Ureinwohner ihre Verstorbenen für kurze Zeit an einem Seil ins Wasser, wo sie von den Aas fressenden Piranhas sauber bis aufs Skelett abgenagt werden. Dieses kann dann ohne Bedenken bestattet werden.

