Die Giraffe
Exotische Tiere: Teil 15
Hoch, höher, am höchsten! Hatari reckt seinen langen Hals. Der Giraffenbulle greift sich mit seiner bis zu einem halben Meter langen, dunkelblauen und äußerst beweglichen Zunge einen Zweig, zieht ihn ins Maul und streift Blätter ab, indem er seinen Kopf zurückzieht. Da er als Männchen der größte seiner Sorte im Frankfurter Zoo ist, kommen seine Artgenossen nicht an diese höchste Futterstelle in der Baumkrone heran. Hatari rupft also genüsslich weiter... bis ein Ast abfällt, was auch bei den anderen Tieren nicht unentdeckt bleibt. Majestätisch sieht es aus, wie sich jetzt Monique, Chira, Edita sowie die Kinder Saburi und Zulu auf das ,,gefundene Fressen" zubewegen.
,,Giraffen sind die höchsten landlebenden Tiere der Welt", erklärt Biologe Dr. Stefan Stadler, Kurator für Huftiere im Zoo Frankfurt. Von ihm und Zootierpfleger Dieter Keil hat sich das Kinder-Echo einiges über Giraffen erzählen lassen. So locker eine Giraffe bei euch im zweiten Stock eines Hauses reinschauen könnte, so schwer hat sie es beim Trinken oder eben beim Verzehr der Blätter eines heruntergefallenen Astes.
Also schnabuliert Hatari lieber hoch oben im Geäst des Baumes weiter und lässt der gerade angekommenen Chira den Vorrang. Diese geht in den ,,Spagat", spreizt ihre Vorderbeine weit auseinander und beugt ihren langen Hals hinunter. In ihrer Heimat, in der Wildnis Afrikas, wäre sie in diesem Moment angreifbar für Feinde wie beispielsweise Löwen.
Deshalb gehen die Tiere dort auch meistens zu zweit zur Wasserstelle. Während der eine trinkt, passt der andere auf. Dennoch trinken die Tiere sehr schnell und sind dabei auch noch richtige Schluckspechte - oder besser Schluckgiraffen: Sie nehmen rund 7,5 Liter Wasser pro Tag auf. ,,Wenn sie trinken, dann oftmals 20 bis 60 Sekunden am Stück", sagt Stadler. Kein Wunder, dass das Pipi-Machen bei Giraffen mehrere Minuten dauern kann. Damit sie sich aus der Höhe nicht die Hinterbeine bespritzen, suchen sie sich dazu einen weichen Boden aus, der das weitgehend verhindert. Trinken könnte also gefährlich sein... Entwarnung im Zoo Frankfurt: Hier kommt natürlich kein wilder Löwe aus dem umliegenden Gehege um die Ecke, dafür aber der kleine Zulu, der fünf Monate alte Sohnemann von Chira, der gesäugt werden möchte.
Apropos Säugen bzw. Geburt: ,,Ein Giraffenweibchen ist rund 15 Monate lang trächtig", erklärt Biologe Stefan Stadler. Sie bringt normalerweise nur ein Junges zur Welt. Dies geschieht im Stehen. ,,Das Kalb kommt mit dem Kopf und den Beinen zuerst auf die Welt", sagt Stadler. Fällt es da nicht ganz schön tief? Je nach Größe der Mutter kann es bis zu zwei Meter tief auf den Boden purzeln. Durch den Sturz setzt die Atmung des Giraffenbabys ein. Das ,,Kleine" ist bei seiner Geburt schon ganz schön groß und schwer: bis zu zwei Meter - und es wiegt rund 75 Kilogramm.
Die Mutter leckt das Neugeborene erst einmal gründlich sauber. Schon kurz darauf ist das Giraffenbaby - wenn auch noch ziemlich wacklig und staksig - auf den Beinen. Diese sind übrigens bereits sehr lang, damit es bei einer Flucht seiner Mutter schnell folgen kann. ,,Natürlich fällt es noch öfter mal um", erzählt Tierpfleger Dieter Keil. Während die Beine einer Babygiraffe also schon fast ausgewachsen sind, muss der Hals noch auf die dreifache Länge wachsen. Der ist nämlich bei den Babys gerade mal so lang bzw. kurz, dass das Kalb ans Euter seiner Mama kommt. ,,Jungtiere zwischen ein bis zwei Wochen und drei bis vier Monaten stehen tagsüber oft in so genannten ,,crèches" zusammen: In dieser Zeit können die Mütter äsen und zur Wasserstelle gehen", weiß Stefan Stadler. Nachmittags und abends kommen sie dann wieder zusammen, die Jungtiere werden gesäugt und verbringen die Nacht mit ihren Eltern. Das Junge kann sich viel von den Großen abschauen, versucht beispielsweise auch an Blättern zu zupfen. Im Alter von vier Monaten fängt es an wiederzukäuen. Ein Giraffenkind bleibt etwa eineinhalb Jahre bei seiner Mutter. Mit vier Jahren wird es langsam geschlechtsreif, mit sechs Jahren erreicht es die volle Größe.Obwohl sich die Jungtiere in freier Wildbahn stets in der Nähe ihrer Mütter aufhalten, fallen sie immer wieder mal Löwen, Leoparden, Hyänen oder Wildhunden zum Opfer. Ausgewachsene Giraffen verteidigen sich hingegen recht gut gegen Raubtiere: Wenn beispielsweise eine Giraffe von einem Löwen angegriffen wird, tritt sie diesen mit ihren Hufen, die so groß wie Untertassen sind. Da kann es schon mal vorkommen, dass ein Löwe auf der Stelle tot umfällt, wenn er getroffen wird.
Im Zoo passiert so etwas natürlich nicht. ,,Dafür wurden wir Tierpfleger aber schon mal von dem Giraffenbullen gejagt", erinnert sich Dieter Keil. Das Ende der Geschichte war: ,,Wir sind notgedrungen in den damals noch existierenden Wassergraben gesprungen und waren pitschnass." Und die Giraffe? ,,Die hat komisch geschaut", berichtet der Tierpfleger.
Ausgewachsene Giraffen haben also wenige Feinde - zumindest, wenn sie stehen. Vielleicht ist das ein Grund, warum sie kaum schlafen - und wenn, dann döst nur ein Teil der Herde, der andere bleibt wach und passt auf. Forscher haben beobachtet, dass die Tiere mit ihren langen Hälsen und den sehr guten Augen in diesem Fall alle in unterschiedliche Richtungen aufmerksam Ausschau halten und einen Angreifer sofort erkennen. ,,Schon in den sechziger Jahren wurde im Zoo Frankfurt untersucht, wie Giraffen schlafen", weiß Biologe Stadler. Dabei ergab sich, dass die Tiere innerhalb eines Tages kaum länger als 20 Minuten schlafen. Im Freiland übrigens noch weniger. ,,Wir haben beobachtet, dass die Giraffen sich nachts mehrere Stunden hinlegen, in dieser Zeit aber immer nur für wenige Minuten tief schlafen", berichtet Stefan Stadler. Geschnarche wie bei manchen anderen schlafenden Tieren wird man kaum hören, wie auch sonst kaum ein Ton der majestätischen Tiere zu vernehmen ist. Ihre Art der Verständigung sind Gesten, Blicke, Schnuppern und Stupsen. Nur ein Muttertier ruft ihr Junges, indem sie ein Fiepen von sich gibt. Giraffen verständigen sich allerdings über weite Strecken hinweg über Infraschall. Das sind Töne, die wir Menschen gar nicht hören können.
Giraffen werden oft von Madenhackern und anderen Starenvögeln begleitet. Diese picken ihnen Insekten aus dem Fell oder benutzen die Giraffen einfach nur als Sitzplatz oder Ausguck. Giraffen können 25 bis 35 Jahre alt werden.
Giraffen werden oft von Madenhackern und anderen Starenvögeln begleitet. Diese picken ihnen Insekten aus dem Fell oder benutzen die Giraffen einfach nur als Sitzplatz oder Ausguck. Giraffen können 25 bis 35 Jahre alt werden.







