10. Februar 2010 | Von Andrea Stütz

Das Schnabeltier

Exotische Tiere (Teil 11)

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Das Schnabeltier – das wohl ulkigste Säugetier. Foto: privat

 

Könnt ihr euch vorstellen, dass es ein Tier gibt, das eine Mischung aus Säugetier, Vogel und Reptil ist? Sagen wir, ein Tier, das einen Schwanz wie ein Biber hat und einen Schnabel wie eine Ente. Es hat ein Fell – auch an den Füßen –, gleichzeitig aber Schwimmhäute, mit denen es super tauchen kann, ist an Land jedoch genauso gut zu Fuß unterwegs. Wobei es da läuft wie eine Eidechse im kreuzenden Gang. Glaubt ihr nicht? Doch so ein Tier gibt‘s: das Schnabeltier!

Wenn ihr das für einen Scherz haltet, seid ihr nicht allein. Das ging den Wissenschaftlern, die zum ersten Mal ein erlegtes Exemplar zu Gesicht bekamen, auch so. Dieses hatten Seefahrer im Jahr 1798 von einer Australienreise nach England mitgebracht. Die Forscher dachten, dass sich die Seefahrer einen Ulk erlauben würden und dass es sich bei diesem um kein echtes Tier handeln könne. „Sie waren überzeugt, das Wesen sei aus mehreren Tieren zusammengenäht worden“, erzählt Schnabeltierexpertin Lisa Cavanagh vom Taronga Zoo in Sydney in Australien. Doch ein zweiter prüfender Blick auf das Tier bestätigte: Das ist doch echt!

Das Schnabeltier steckt eben voller Überraschungen. Um diese für euch herauszufinden, hat das Kinder-Echo am anderen Ende der Welt nachgefragt, weil es in Europa keinen Zoo gibt, in dem Schnabeltiere gehalten werden.

 
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Schwimmhäute, Krallen, Fell – das ist typisch für Schnabeltierfüße. An Land können die Säuger die Schwimmhäute sogar einziehen, um besser laufen und graben zu können. Foto: privat
Schnabeltiere leben aber nicht nur in Zoos in Australien. Im Osten und Südosten des Kontinents und auf der südöstlich von Australien gelegenen Insel Tasmanien sind die Schnabeltiere auch in freier Wildbahn zu Hause – und zwar nur dort. Sie leben an Flüssen, Seen und Teichen mit frischem, sauberem Wasser zum Jagen und steilen, dicht bewachsenen Ufern, in die sie ihre Baue buddeln. Diese bestehen aus mehreren gewundenen Gängen und haben eine Schlafhöhle. Den Eingang legen sie etwa eine Fußlänge über der Wasseroberfläche an. In ihrem Bau verstecken sich die scheuen Einzelgänger und ruhen tagsüber. Erst in der Dämmerung werden sie aktiv, tapsen ins Wasser und gehen bis zum Morgengrauen auf Jagd nach Krebsen, Insektenlarven, Würmern, Kaulquappen, Muscheln und Schnecken. Dazu tauchen die Schnabeltiere bis zu fünf Meter tief zum Boden hinab und gründeln mit ihrem breiten, platten Schnabel im Bodenschlamm nach Beute. Bis zu einer Minute dauert so ein normaler Tauchgang – bei Gefahr kann ein Schnabeltier bis zu fünf Minuten abtauchen. Bis zu 75 Mal in einer Stunde durchkämmen Schnabeltiere den Grund nach Futter.

Fotogalerie

 

Das Tauchen fällt ihnen nicht nur wegen ihrer Schwimmhäute leicht. Ihr stromlinienförmiger Körper erlaubt es ihnen, geschmeidig durchs Wasser zu gleiten, während sie mit ihrem paddelförmigen Schwanz lenken. Ist die Jagd erfolgreich, fressen Schnabeltiere bis zur Hälfte ihres eigenen Körpergewichts von etwa 1,5 bis 3 Kilogramm. Was sie von der Nahrung nicht gleich an Energie verbrauchen, „speichern sie als Fettreserven in ihrem Schwanz für magerere Zeiten“, erklärt Lisa Cavanagh. „Das kann bis zur Hälfte des Körperfetts sein.“

Schnabeltiere haben einen sechsten Sinn„Auf ihren Tauchgängen sind die Schnabeltiere mit verschlossenen Augen, Ohren und Nasenlöchern unterwegs. Deshalb verlassen sich bei ihrer Jagd auf ihren sechsten Sinn“, sagt die Expertin. Auf ihrem Schnabel haben sie Elektrorezeptoren. Diese Tastkörperchen spüren die feinen elektrischen Felder auf, die jedes Lebewesen erzeugt, wenn es seine Muskeln bewegt. Außerdem nutzen Schnabeltiere die Rezeptoren, um sich zu orientieren. Sie schwenken unter Wasser den Kopf hin und her, um sich über die kleinen Veränderungen der elektrischen Felder ein Bild von ihrer Umgebung zu machen.

Die Nahrung, die sie aus dem Schlamm graben, verstauen Schnabeltiere erstmal in ihren Backentaschen. Sind diese voll, schwimmen sie an die Wasseroberfläche, um dort ihre Beute zu fressen, indem sie sie zwischen den Hornplatten in ihrem Maul zermalmen. Ja, Hornplatten, denn Schnabeltiere haben keine Zähne!

Ist die erste Portion vertilgt, geht‘s weiter zum nächsten Tauchgang. Das Auftauchen ist einer der raren Momente, in denen man ein Schnabeltier sehen kann. „Da Schnabeltiere nachtaktiv und scheu sind, ist es selbst für die Australier ein besonderes Erlebnis, eines in freier Wildbahn zu beobachten“, erzählt Tierpflegerin Cavanagh. „Obwohl Schnabeltiere recht häufig vorkommen.“

Trotzdem gelten sie als gefährdet. Denn ihr Lebensraum wird knapper und knapper. Es gibt immer weniger saubere Gewässer, welche die Tiere zum Jagen brauchen. Außerdem verfangen sich Schnabeltiere auf ihrer Jagd häufig in Krebsfangnetzen und ertrinken, sie werden von Autos überfahren, von wildernden Hunden erlegt – oder von ihren natürlichen Feinden wie dem Murray-Dorsch, Greifvögeln, Buntwaranen, großen Schlangen oder Füchsen.

Da jedoch der Mensch und die von ihm verursachte Umweltverschmutzung die größten Feinde dieses Exoten sind, steht das Schnabeltier auf der „Roten Liste“ der gefährdeten Tierarten. Die Australier und Tasmanier engagieren sich stark für den Schutz ihres drolligen Ureinwohners, bei dessen Anblick man einfach schmunzeln muss. Aber wie sieht es eigentlich genau aus?

Das Schnabeltier kann bis zu 60 Zentimeter lang werden – wobei die Tiere in Tasmanien die größten Vertreter sind – oder sagen wir eher, die längsten, denn der Körper von Schnabeltieren ist eher flach und breit. Die Schnabeltiere, die im Norden des australischen Staates Queensland leben, sind die kleinsten.

Apropos klein: Klein sind bei allen Schnabeltieren die weiß und gelblich umringten Augen. Die nah am Unterkiefer liegenden Ohren sind im Fell auch nur schwer auszumachen, weil es sich lediglich um kleine Öffnungen und nicht um richtige Ohren handelt. Das sagt jedoch nichts über das Seh- und Hörvermögen der Tiere: Sie sehen gut und hören ungefähr so gut wie wir Menschen, richtig tiefe Töne sogar besser als wir. Ein Paddelschwanz für viele FälleDie Augen und Ohren verstecken sich bei den Schnabeltieren in einem seehundartigen, wasserabweisenden Fell, das auf der Oberseite graustichig oder dunkelbraun ist und am Kinn, Bauch und den Füßen goldfarben oder seidig grau. Das längere Oberhaar besteht aus rauen Grannen, die dichte Unterwolle ist weich.

Dass der biberartige Paddelschwanz beim Schnabeltier verschiedene Funktionen hat, habt ihr schon gelesen. Aber er dient nicht nur als Fettspeicher und zur Lenkung unter Wasser: Das Schnabeltier kann, wenn es den etwa 15 Zentimeter langen Schwanz Richtung Bauch einklappt, zum Beispiel auch Gras und Blätter in seinen Bau transportieren.

Und Schnabeltiere können noch etwas: An Land ziehen sie ihre Schwimmhäute an den Füßen einfach zurück, so dass ihre jeweils fünf Krallen frei liegen. Warum? So können sie viel besser laufen und vor allem ihren Bau graben, bevor sie ihn überhaupt auspolstern können. Noch auffälliger als der Paddelschwanz ist natürlich der Schnabel – daher kommt ja auch der Name „Schnabeltier“. Dieser ist biegsam und fühlt sich an wie Rindsleder. Die Oberseite ist schwarz, die Unterseite gelb-schwarz.

Auf der Oberseite des Schnabels liegen ganz vorne die Nasenlöcher. Dadurch, dass sie so weit vorne liegen, kann das schwimmende Schnabeltier mit seinem Körper weitestgehend unter der Wasseroberfläche bleiben und dabei schnorchelnd atmen, so dass man gerade mal die Schnabeloberfläche und ein Stück Rücken von dem Tier sieht.

So gesehen sieht es eher aus wie ein Stück treibendes Holz und man muss auch hier ein zweites Mal genau hinschauen, bevor man glauben kann, dass man gerade das seltene Glück hat, eines der ulkigsten Tiere der Welt beobachten zu können.

 



Inhalt der Januarausgabe:
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  • Die Berufeserie geht weiter: Wir haben für Euch gefragt, was eigentlich eine Logopädin macht.
  • In der Exotenserie stellen wir Euch diesmal die Bonobos vor.
  • Und Kinder-Echo-Leserin Charlotte Scheibel erklärt Euch ihr Hobby: das Voltigieren.
  • Natürlich gibt es auch im neuen Kinder-Echo noch vieles mehr zu entdecken: Rätsel, Gewinnspiele, Tipps und weitere interessante Geschichten und Berichte. Am besten findet ihr es einfach selbst im neuen Kinder-Echo heraus!

Viel Spaß beim Durchforsten der neuen Ausgabe und dem Entdecken noch vieler anderer Themen wünscht euch das Kinder-Echo-Team!

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