Geothermie - HSE holt die Wärme aus 800 Metern Tiefe
Im Inneren der Erde ist es heiß. Sehr heiß sogar – nämlich bis zu 6000 Grad. Und jetzt im Winter frieren wir hier oben auf der Erde. Aber: Ab zehn Metern Tiefe herrscht zu jeder Jahreszeit eine Temperatur von zehn Grad. Die Temperatur nimmt pro 100 Meter um etwa drei Grad zu. Das bedeutet, dass es in etwa 800 Metern Tiefe mehr als 30 Grad warm ist.
Wäre es da nicht schön, wenn wir etwas von der Wärme aus dem Erdinneren hochholen könnten? Gerade jetzt im Winter? Das kann man mittels Geothermie. So heißt die Technik, mit der man die Erdwärme nutzen kann. So wie aus Öl, Sonne, Wind oder der Kraft von fließendem Wasser kann man auch aus Wärme Energie gewinnen. Das Nutzungspotenzial der Geothermie für die Strom- und Wärmeerzeugung ist enorm.
Aber wie bekommt man diese Wärme hoch zu uns? Dafür muss man tiefe Löcher in die Erde bohren, in diese Löcher Wasser oder eine andere Trägerflüssigkeit pumpen, die sich in der Tiefe aufwärmt und dann erwärmt wieder hochgepumpt wird. Anschließend wird das abgekühlte Wasser wieder nach unten gepumpt.
Das nach oben gepumpte Wasser ist – je nach Tiefe der Bohrung – 35 Grad warm. Das reicht aber noch nicht, um es uns schön kuschelig warm zu machen. Deshalb wird das lauwarme Wasser durch die Spirale einer Wärmepumpe geleitet. Dort erwärmt es eine besondere Flüssigkeit, die zu Gas wird. Dieses Gas wird dann zusammengequetscht, wodurch es heiß wird, und damit auch heiß genug, um mit dieser Energie unsere Häuser zu heizen. Genau das macht die HSE nun in Groß-Umstadt/Heubach. Im Dezember rollte dort eine große Bohrmaschine an, die ein 800 Meter tiefes Loch in die Erde meißelte.
Die Bohrung wird mit Rohren ausgebaut, in denen Umwälzpumpen im späteren Betrieb Wasser zirkulieren lassen, um die Erdwärme nach oben zu holen. Mit dieser Wärme soll eine Lager- und Fertigungshalle einer Firma beheizt werden. Das war die erste Bohrung in Hessen, die so tief ging. Denn um ein normales Haus zu heizen, reicht es, wenn man 90 bis 250 Meter tief bohrt. Auch das hat man in Groß-Umstadt gemacht, damit sollen die kleineren Lager- und Büroräume geheizt werden. Würde man die dort gewonnene Wärme nutzen, um Wohnungen zu beheizen, hätten es die Menschen in 30 bis 40 Wohnungen warm. Aber nicht nur im Winter hilft uns die Energie aus der Erde zu wärmen: Im Sommer können wir sie zum Kühlen benutzen.
Wie heiß es im Innern der Erde ist, seht ihr auch an Geysiren oder Vulkanen. Die Menschen auf der Vulkaninsel Sao Miguel etwa kochen ihren Eintopf in Erdlöchern, weil bei ihnen die Erdkruste so dünn ist, dass das Quellwasser noch an der Erdoberfläche mit 98 Grad brodelt – fast genauso heiß, wie euer kochendes Nudelwasser.




