Was passiert mit unserem Schmutzwasser?
Ob beim Zähne putzen oder Toilette benutzen – das verbrauchte Wasser rauscht durch die Rohrleitung davon, und in den seltensten Fällen machen wir uns Gedanken darüber, was mit dem Schmutzwasser nun eigentlich genau passiert. Klar ist, dass es in der Kläranlage landet und dort gereinigt wird. Doch wie funktioniert das? Wir durften einmal im Zentralklärwerk der HSE in Darmstadt vorbei schauen.
Dort kommt das Schmutzwasser erst einmal 12 Meter unter der Erde an, nachdem es durch die insgesamt 500 Kilometer lange Darmstädter Kanalrohrunterwasserwelt geplätschert ist und nun darauf wartet, auf dem riesigen Gelände am Rande Darmstadts gesäubert zu werden. Mehrere Pumpen, die 8 000 Liter Wasser pro Sekunde nach oben befördern können, nehmen es dort unten erst einmal in Empfang. Noch rauscht es hier ungefiltert durch, also mitsamt allen Abfällen, die die Menschen so in den Abfluss geworfen haben: Toilettenpapier, Essensreste, Spülmittelrückstände oder auch Dinge, die hier eigentlich gar nichts zu suchen haben, etwa Rasierklingen, alte Zahnbürsten oder Ohrenstäbchen. Das kann zu Problemen führen, da dadurch leicht die Pumpen verstopfen können.
Diese befördern das Wasser nun zur nächsten Station: der Rechenstraße, wo das Wasser grob gesäubert wird. Hier darf es zwar fröhlich weiter rauschen, die Rechen, die wie ein Sieb funktionieren, bremsen aber alles aus, das breiter als eineinhalb Zentimeter, weiter hinten alles, das breiter als sechs Millimeter ist. Diese Reste werden gesammelt und zur Müllverbrennungsanlage gebracht. Bis zu drei Tonnen gepresster Abfall kommen so täglich zusammen. In einem weiteren Schritt wird auch der Sand, der mit dem Regenwasser eingespült wird, aus dem Wasser entnommen, ebenfalls gesammelt und abtransportiert.
Jetzt geht’s weiter zur Vorklärung. Das Wasser wird in große Becken geleitet, durch die es ganz langsam durchfließt. Dadurch kann sich der Schlamm am Boden absetzen, der schließlich mit einem so genannten Räumschild entfernt wird. Ein Räumschild ist so etwas wie eine überdimensionale Schippe, die den Schlamm vor sich herschiebt und in einen der gut 40 Meter hohen Faultürme befördert. Das sind quasi kleine Biogasanlagen, in denen es konstant 37 Grad warm ist. Mikroorganismen ernähren sich nun von dem Schlamm und produzieren dabei Gas, das zur Stromerzeugung für das hauseigene Blockheizkraftwerk verwendet wird. Auf diese Weise wird ein Teil des Schlamms abgebaut.
Das Wasser reist derweil weiter zum Herzstück der Kläranlage: der biologischen Abwasserreinigung. Dazu wird durch 800 PS starke Motoren Druckluft erzeugt, die dem Wasser zugefügt wird, das sich nun mit Sauerstoff anreichert. Den benötigen die unzähligen Mikroorganismen, die sich im Wasser befinden, um sich zu vermehren. Fünf Tonnen Mikroorganismen, also Bakterien und Einzeller, entstehen auf diese Weise pro Tag, die einen ziemlichen Heißhunger auf schmutziges Wasser entwickeln, den Schmutz dadurch nach und nach zersetzen und das Wasser natürlich reinigen. Diese Mikroorganismen sind sehr empfindlich. Das ist ein Grund, warum Chemikalien oder Medikamente nicht in die Toilette geworfen werden dürfen.
Das Wasser wird durch sie also ziemlich sauber, es sieht aber noch braun und schmutzig aus, da es von Schlammresten getrübt wird. Im Nachklärbecken fährt deswegen erneut ein Räumschild durch das Wasser, sammelt den sich absetzenden Schlamm auf und befördert ihn in die Faultürme. Das einstige Schmutzwasser ist nun klar und darf zurück in die Natur, in Darmstadt wird es dem Darmbach beigefügt. Von dort aus geht es zurück in den natürlichen Wasserkreislauf.


