Pack die Sonnenbrille ein
Kinderaugen vor Langzeitschäden schützen: Eine Tönung der Brille sagt noch lange nichts über deren UV-Schutz aus - Experten geben Tipps zum richtigen Kauf
Fahrt ihr in den Sommerferien ins Gebirge oder ans Meer? Egal, wohin die Reise geht - wenn ihr euch in diesen Regionen länger in der Sonne aufhaltet, solltet ihr nicht nur Badehose und Sonnencreme in die Strandtasche oder den Wanderrucksack packen, sondern auch die Sonnenbrille nicht vergessen. Denn auch für Kinder ist sie vor allem am Strand oder im Gebirge wegen der vielfach höheren UV-Belastung unentbehrlich.,,Wie die Haut, hat auch die Netzhaut im Auge ein ,,Elefantengedächtnis" für UVA- und UVB-Schäden, die in der Kindheit entstanden sind. Schäden an Augenlinse und Netzhaut sind schmerzlos und die Folgen zeigen sich erst Jahre später", erklärt der Vertriebsleiter des Brillenherstellers Uvex, Günther Kocher. Die Ursache liege laut Aussage zahlreicher Experten häufig bei ungenügendem Augenschutz im Kindesalter.Bei Kinder-Sonnenbrillen wird von vielen Eltern aus Unwissenheit häufig zum billigen, minderwertigen Produkt gegriffen. Wo 100 Prozent UV-Schutz drauf steht, ist nämlich noch lange nicht unbedingt 100 Prozent UV-Schutz drin! Bei Billigware ist die Qualität oft ungeprüft. Hier geben Experten Tipps für den richtigen Brillenkauf: Wie erkenne ich eine gute Kinder-Sonnenbrille?
Augenarzt Dr. Frank-Dieter Engelbrecht aus Darmstadt: ,,Bei einer Kinderbrille ist vor allem wichtig, dass sie gut abschließt, auch seitlich. Von oben werden die Augen von den Brauen geschützt, von unten dringen aber Strahlen, die von Meer oder Schnee reflektiert werden, ins Auge.
Optimal, aber kein Muss, sind gelbe Gläser, die außer dem UV-Licht auch den netzhautschädigenden Blaulichtanteil herausfiltern. Die Tönung selbst sollte bei Kinderbrillen nicht zu dunkel sein."
Thorsten Müller, Geschäftsführer von Optik Pfersdorff in Darmstadt: ,,Die Tönung der Gläser sagt nichts über deren UV-Schutz aus. Billigprodukte, die beispielsweise am Strand verkauft werden, bieten - auch wenn es auf der Brille vermerkt ist - in der Regel keinen UV-Schutz. Die Kinder schauen aber wegen der Tönung der Brille voll in die Sonne, die Pupille öffnet sich, so dass die UV-Strahlen ungehindert aufs Auge treffen und so zu langfristigen Augenschäden führen können."
Jürgen Wetzel, Filialleiter von Brillen-Bouffier in Darmstadt: ,,Eine Brille sollte vor allem bei Kindern gut sitzen und hinter dem Ohr angepasst werden, damit sie beim Spielen nicht rutscht. Außerdem sollten die Gläser bruchsicher und ausschließlich aus Kunststoff sein."
Uvex-Vertrieb sleiter Günther Kocher: ,,Der UV-Schutz ist bei sehr preisgünstigen Modellen meist nur äußerlich aufgetragen und nicht in das Glas eingelagert. Dieser aufgetragene Schutz kann den Blick verzerren, ist meist viel zu dünn und nutzt sich häufig gerade bei Kindern durch Spielen und Benutzen ab. Eine qualitativ hochwertige Brille sollte die Norm EN 1836 (Sportbrille) ausweisen und möglichst über die höchste Güteklasse (1) für einwandfreie Optik verfügen. Das Problem für den Käufer: Die Güteklasse ist auf den ersten Blick nicht erkennbar, da sie auf der Brille nicht vermerkt ist. Deshalb empfehlen wir einen einfachen Test: Brille im Geschäft aufsetzen und sich eine gerade Linie auf weißem Hintergrund suchen. Ist die Linie verzerrt, krumm oder deformiert: Hände weg von dieser Brille."
Qualität muss nicht teuer sein. Gute Kinder-Sonnenbrillen kosten zwischen 15 und 50 Euro.


