Viele Kinder behalten das Geheimnis für sich
Sexueller Missbrauch: Oft sind die Täter Verwandte oder Freunde der Eltern
Vielleicht habt ihr in den vergangenen Wochen mitbekommen, dass in einzelnen kirchlichen und nichtkirchlichen Institutionen, Heimen, Schulen und Internaten Kinder und Jugendliche bzw. Schülerinnen und Schüler sexuell belästigt und missbraucht wurden. Manche Priester, Lehrer oder Betreuer sind den Kindern zu nahe gekommen und haben mit den Schülern schlimme Dinge getan. Einige von euch haben vielleicht zu Hause oder im Unterricht schon darüber gesprochen. Eltern und Lehrer haben bei uns angefragt, ob wir das Thema ,,Sexueller Missbrauch von Kindern" und wie diese sich dagegen schützen können mal für euch aufarbeiten könnten... Es gibt Erwachsene oder ältere Jugendliche, die mit Blicken oder Worten bei Mädchen und Jungen eklige Gefühle erzeugen, Kinder an intimen Körperstellen anfassen (wie zum Beispiel an der Brust, am Po, an den Geschlechtsteilen) oder Kinder dazu zwingen, sich selbst an ihren intimen Körperteilen zu berühren. Mädchen und Jungen sollen sich beispielsweise nackt ausziehen, den nackten Täter betrachten oder müssen schlimme Filme anschauen. Das darf niemand von euch verlangen, beziehungsweise mit euch tun! Meistens werden die missbrauchten Kinder durch besondere Zuwendung und Geschenke dazu überredet, die Tat zu verheimlichen. Oft droht der Täter auch damit, dass dem Kind sowieso niemand glaube, weil es zu viel Fantasie habe. Oder er macht ihm Angst, dass seine Mama krank werde oder sterbe oder dass er das Kind schlage und verletze, wenn es das gemeinsame ,,Geheimnis" verrate. Jeden Tag werden Mädchen und Jungen sexuell missbraucht. Laut Statistik des Bundeskriminalamts wurden beispielsweise im Jahre 2008 insgesamt 12 052 Fälle von Missbrauch von Minderjährigen erfasst. ,,Die Dunkelziffer liegt aber leider viel höher", erklärt Brigitte Braun, Sozialpädagogin bei Wildwasser Darmstadt, einer Fachberatungsstelle gegen sexuellen Missbrauch. Sie ge ht davon aus, dass jedes vierte Mädchen und jeder zehnte Junge mindestens einmal im Leben von sexueller Gewalt betroffen sind. ,,Oft sind die Täter keine Fremden, sondern Bezugspersonen, Verwandte oder Freunde der Eltern, also Onkel, Brüder, Nachbarn oder Nachbarinnen, Babysitter, Opas, Trainer, Lehrer oder Erzieher", erzählt Brigitte Braun. Viele Kinder, die missbraucht worden sind, bekommen Angst und schämen sich - behalten das ,,Geheimnis" für sich. Sie fühlen sich schuldig und glauben, etwas falsch gemacht zu haben, weil ihnen so etwas passiert ist. Manchmal fangen solche Situationen sogar ganz harmlos an und die Kinder merken erst mit der Zeit, dass die Situation komisch wird. Manche Kinder fühlen sich danach leer und traurig, mögen ihren Körper nicht mehr, haben vor vielem einen Ekel, können nicht mehr schlafen, sind unkonzentriert oder aggressiv.


