Seine Stücke lernt er laut im Wald
Gespräch mit dem ,,Lebkuchenmann" Tino Lindenberg, dem Schauspieler des diesjährigen Weihnachtsmärchens am Staatstheater Darmstadt
In vier Stücken ist Tino Lin-denberg (34) in dieser Spielzeit am Staatstheater Darmstadt zu sehen. Vier Stücke, die unterschiedlicher kaum sein könnten: das Familiendrama ,,Wälder", das Theater-Kabarett-Stück ,,Gretchen 89ff.", die Hauptrolle in Johann Wolfgang von Goethes bekanntem Drama ,,Die Leiden des jungen Werther" und demnächst noch als Titelfigur in dem Kindermusical ,,Der Lebkuchenmann".
Das bedeutet: Tino Lindenberg muss vier Rollen gleichzeitig auswendig können - du weißt sicherlich, wie schwierig es ist, ein einziges Gedicht auswendig zu lernen. Wie macht er das also? ,,Berufsalltag", sagt er und erzählt, dass man als Schauspieler bis zu acht Stücke gleichzeitig drauf haben müsse. Er vergleicht es mit Fremdsprachen lernen: ,,Ich rutsche vom Englischen ja auch nicht ins Französische, das ist alles separat für sich abgespeichert."Ab dem 25. November steht der ,,Lebkuchenmann" auf dem Spielplan, ein Kindermusical und Weihnachtsmärchen des englischen Autors David Wood. Tino Lindenberg spielt die Titelfigur Lebkuchenmann, der in einem Küchenschrank lebt und Herrn Kuckuck aus der Kuckucksuhr helfen muss, der seine Stimme verloren hat. Entsprechend beeindruckend dürfte das Bühnenbild aussehen, ,,ein Küchenschrank in Übergröße", sagt Tino Lindenberg. Viel Kletterei erwarte die Schauspieler.Fast täglich probt er derzeit für das Stück, gut sechs Wochen geht die Probenzeit insgesamt. 75 Seiten umfasst das Manuskript, das er durcharbeiten muss. Tino Lindenberg lernt seine Rollen übrigens besonders gerne unter freiem Himmel. ,,Ich bin ein Waldgänger", sagt er, um dann scherzhaft hinzuzufügen: ,,Ich hoffe dabei immer, dass mir keine Fußgänger begegnen, denn ich lerne meine Stücke laut."
Auf seine Rolle als Lebkuchenmann freue er sich. ,,Da kann ich Gags einbauen, mich an das Publikum wenden, das mir helfen soll, das macht großen Spaß", sagt er. Lampenfieber habe er bei solchen Stücken in der Regel nicht, ,,sie leben davon, dass mal was schief geht. Da kann ich dann improvisieren." Besonders aufgeregt sei er hingegen, wenn seine Eltern aus seiner Heimatstadt Köln angereist kämen und im Publikum sitzen. ,,Ich fürchte meine Eltern mehr als 1000 Kinder", sagt er schmunzelnd. ,,Wenn der Familienkreis kommt, will man einfach besonders gut sein."Doch seine Familie sieht der in Darmstadt lebende Schauspieler derzeit nicht so oft, sogar Weihnachten soll dieses Jahr erstmals nicht im Familienkreis gefeiert werden. ,,Um Weihnachten herum muss ich proben und auf der Bühne stehen", sagt Tino Lindenberg. ,,Aber ich mag die Weihnachtszeit." Auch Weihnachtsmärkte, allerdings könne er sie selten besuchen, da Schauspieler meist abends proben würden, und nach den Proben sei es oft zu spät.,,Berufsalltag" eben, wie Tino Lindenberg sagen würde. Schon in der Schule hatte er übrigens den Ruf als Schauspieler weg, wie er sagt, da er immer mal wieder Sketche des Komikers Didi Hallervorden aufgeführt habe. Nach der Schule habe er dann zuerst mit einem Jura-Studium angefangen, sich aber schließlich an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig beworben und einen der raren Ausbildungsplätze als Schauspieler erhalten. Seit 2002 ist er nun schon am Staatstheater Darmstadt engagiert.
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